Entwicklungstendenzen der Trainings- und Wettkampfsysteme in den technisch-kompositorischen Sportarten
(Developmental trends in training and competition systems in technical-acrobatical sports)
Das gegenwärtige Trainingssystem kann auf viele Erfahrungswerte der Trainingspraxis zur Entwicklung technisch-koordinativer Spitzenleistungen zurückgreifen. Großen Anteil zu verschieden Aspekten hatten folgende Länder:
· ehemalige UdSSR (heute Rußland und einige Nachfolgestaaten der GUS)
· China
· USA
· Deutschland
· Rumänien
· Bulgarien
In diesen Erfahrungsschatz flossen auch Traditionslinien aus der Artistik, des Tanzes und des Balletts ein. Unverkennbar ist auch, daß wissenschaftliche Erkenntnisse zur Weiterentwicklung der Trainingssysteme beigetragen haben. Es fallen aber auch Schwachpunkte der aktuellen Trainingssysteme auf. Für die deutschen Trainingssysteme in den Sportarten Eiskunstlaufen, Kunstturnen, Rhythmische Sportgymnastik und Wasserspringen läßt sich nachweisen, daß es zu geringe Erneuerungsraten über hohe Nachwuchsleistungen gibt.
Analysiert man den Entwicklungsstand der Trainingssysteme in den letzten Jahrzehnten, dann lassen sich charakteristische Abschnitte erkennen. Der Umgestaltungsprozeß der Trainingssysteme seit Beginn der 90er Jahre wird sich aufgrund der neuen Anforderungen weiter fortsetzen. Die Entwicklung der Anforderungen der inhaltlichen Umgestaltung seit 1990 sind nachstehend aufgeführt.
Ausgehend von den steigenden Leistungsanforderungen im Spitzen- und Nachwuchsbereich, insbesondere den weiter zunehmenden Schwierigkeitsteilen, sind eine Reihe von Weiterentwicklungen aus trainingsmethodischer Sicht notwendig:
· Die strukturelle Vielseitigkeit bei der Ausbildung von Schwierigkeitsteilen ist zu erhöhen.
· Ein höheres Niveau und eine größere strukturelle Breite der Leistungsvoraussetzungen sind erforderlich.
· Die Sportler sind auf größere Übungslängen und ästhetisch-gestalterisch höhere Anforderung an die Programme im Kunstturnen, in der Rhythmischen Sportgymnastik und im Eiskunstlaufen vorzubereiten.
· Als ein gemeinsames Problem ist in der Mehrzahl der Disziplinen und Sportarten die Entwicklung von Trainingsübungen und Lernstrategien zur Vorbereitung auf die hohen Drehgeschwindigkeiten um die Längs- und Breitenachse zu lösen.
Als Konsequenzen aus diesen Anforderungen lassen sich folgende trainingsmethodische Stoßrichtungen ableiten:
· Der Trainingsaufwand für höchstschwierige Teile und wettkampfentscheidende Strukturen ist zu vergrößern.
· Der Anteil an Lern- und Voraussetzungstraining ist ebenfalls zu erhöhen.
· Das Voraussetzungstraining ist konsequenter auf prognostisch relevante Schwierigkeitsteile auszurichten, u. a. auf
° Vierfachsprünge im Eiskunstlaufen,
° Drei- und Vierfachsalto im Kunstturnen,
° Viereinhalb Salto im Wasserspringen,
° gebückte / gehechtete und gestreckte Ausführungsvarianten,
° Vier/Viereinhalb Längsachsendrehungen bei Schraubensaltos und
° die Kombination von Schwierigkeitsteilen im Eiskunstlaufen und Kunstturnen.
Diese neuen Anforderungen an die Trainingsmethodik sind gleichzeitig mit höheren Ansprüchen an die Verkopplung von Leistungsentwicklung und Sicherung der Belastbarkeit zu verbinden.
© Copyright 1996 Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft. Meyer & Meyer Verlag. All rights reserved.
| Subjects: | |
|---|---|
| Notations: | training science technical sports junior sports |
| Published in: | Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft |
| Language: | German |
| Published: |
Aachen
1996
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| Online Access: | https://open-archive.sport-iat.de/sponet/178351.pdf |
| Volume: | 3 |
| Issue: | 2 |
| Pages: | 107-121 |
| Document types: | article |
| Level: | advanced |