4006439

Die Talentsichtungsmaßnahmen im Volleyball: Ein gemeinsames Förderprogramm des Kultusministeriums und des LSB in Nordrhein-Westfalen

(Talent scouting in volleyball: A commong project of the Ministry of Education and Cultural Affairs and the Regional Sports Federation Northern Rhine - Westphalia)

Der Leistungssport ist zu einem festen Bestandteil in vielen Gesellschaften geworden. Dennoch wird die Nachwuchsförderung häufig wegen ihrer Zielgerichtetheit auf das Leistungsmaximum kritisiert. Der Widerspruch ist leicht erkennbar, da Leistungssportler "verehrt" werden, wenn diese in der Leistungsspitze ihrer Sportart mitwirken, aber gleichzeitig der mühsame Weg dorthin nicht anerkennt wird. Allerdings sollte eingeräumt werden, daß gewisse Entgleisungen das Ansehen des Leistungssports schädigen, wie z.B. das Fehlverhalten des Eiskunstlauftrainers Karel Fajfr. Durch eine solche negative Präsentation wird eine sinnvolle Auseinandersetzungüber die Thematik der Nachwuchsförderung leider beeinträchtigt. Aufgrund dieser Erfahrungen sollten strengere Rahmenbedingungen geschaffen werden, die vergleichbare Mißentwicklungen des Leistungssports bekämpfen können. Grundsätzlich bietet der Leistungssport aber auch eine Chance für Kinder, ihr eigenes Potential zu entwickeln und viele positive und nützliche Lebenserfahrungen zu sammeln. Damit dies der Fall sein kann, sollten sechs Prinzipien eingehalten werden: 1. Die sportliche Karriere darf nicht mit gesundheitlichen Dauerfolgen enden, die eine ernsthafte Beeinträchtigung der Qualität des späteren Lebens sein können! 2. Soziale Beziehungen und Bindungen zu Gleichaltrigen - mit denen sich Sportler austauschen können - sind zu pflegen! 3. Das Engagement im Leistungssport darf nicht dazu führen, daß schlechtere Berufschancen erreicht werden, als das ohne Leistungssport der Fall gewesen wäre! 4. Interessen und Fähigkeiten neben dem Sport - sogenannte Freizeitinteressen - sind zu entwickeln und zu fördern! 5. Mit der Zeit für den Sport ist sparsam umzugehen! 6. Dem Athleten sind Hilfestellungen zu leisten, seine leistungssportliche Karriere rechtzeitig zu beenden! Durch sportbetonte Schulen oder andere Schulformen, die eng mit dem Leistungssport kooperieren, können diese Prinzipien besser verwirklicht werden. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Verein, Verband und Schule kann das junge Talent positiver fördern, da verhindert wird, zwischen die verschiedenen Interessen dieser Einrichtungen zu geraten. Eine gute Abstimmung der Terminpläne der Schule und der jeweiligen Sportart ermöglicht eine optimale Zeitausnutzung und eine bessere Konzentrationsfähigkeit auf den jeweils anliegenden Lernblock. Der Internatsbereich der sportbetonten Schulen besitzt aber auch Nachteile, da eine zu frühe Trennung vom Elternhaus negative Begleiterscheinungen haben kann. Eine derartige Unterbringung sollte aus diesem Grunde nur als letzte Möglichkeit angesehen werden. Allerdings muß sich nicht jede Sportart mit dieser Problematik beschäftigen, wie die Darstellungen des Talentaufbaus im Volleyball und Tischtennis ergeben hat. Im Volleyball sind die Athleten mindestens fünfzehn Jahre alt, während im Tischtennis schon neunjährige Athleten im Deutschen Tischtenniszentrum Heidelberg (DTTZ) aufgenommen wurden. Es gibt viele Möglichkeiten, die ein sportliches Talent besitzt, um an die Leistungsspitze zu gelangen. Das Modell der sportbetonten Schulen oder die Konzepte des Pierre-de-Coubertin-Gymnasiums in Berlin und des Heinrich-Heinrich-Gymnasiums in Kaiserslautern sind Ansätze für einen leichteren und intensiveren Talentaufbau. Keines dieser Modelle ist perfekt und kann daher durch konstruktive Diskussionen immer weiter verbessert werden. Eifersüchteleien der Vertreter anderer Konzepte oder Diskussionen, die die Interessen der jungen Athleten nicht beachten, können nur als kontraproduktiv bewertet werden. Außerdem verwehren solche Ansätze den Blick für Schwächen im eigenen Konzept. Es müssen Kompromisse zwischen den vielen Anforderungen im Umfeld des Talentes gefunden werden, die alle das Wichtigste nicht aus den Augen verlieren sollten: Die Verantwortung für das Kind, das Leistungssport betreiben möchte.

Bibliographic Details
Subjects:
Notations:junior sports sport games
Language:German
Online Access:http://www.hausarbeiten.de/rd/archiv/sport/sport-text9.shtml
Document types:electronical publication
Level:intermediate