Hat das Talent mehr als eine besondere Eignung?
(Does the talent have more than a special aptitude?)
Der Autor diskutiert, ob mit Eignungstests tatsächlich die langfristig Talentierten und "Geeigneten" zu ermitteln sind. Dabei vertritt er folgende grundlegende Position:
Die Bedeutung der "Eignungs-Tests" relativere ich nicht deswegen, weil ich die Tests für überflüssig halte, sondern weil ich etwas sichtbar machen und ins Zentrum des Beachtens rücken möchte, was in der Sportwissenschaft heute noch nicht ausreichend berücksichtigt wird.
Da die "Begabung" und das "Talent" etwas anderes sind als die durch Eignungs-Tests festgestellte "Eignung", gibt es:
"einerseits höchst geeignete Athleten, denen es aber an einer besonderen Begabung und an Talent fehlt und die deswegen, trotz ihrer hervorragenden Ergebnissen in den Eignungs-Tests, nicht in die Weltspitze vordringen können;
"andererseits gibt es für eine bestimmte Sportart besonders begabte Talente, denen es aber an einer hervorragenden Eignung, zum Beispiel an Körpergröße, fehlt und die deswegen ebenfalls nicht die Weltspitze erreichen.
Hinsichtlich des Spitzensports werden daher "hochgeeignete Talente" gesucht. Um diese zu finden, werden vorerst mit Eignungs-Tests die "besonderes Geeigneten" herausgefiltert und dann unter diesen "besonders Geeigneten" die "Talente" gesucht. Der erste Schritt ist also der Eignungs-Test.
Hier bleiben aber jene Begabten und jene Talente auf der Strecke, die wegen ihrer mittelmäßigen Eignung trotz ihrer besonderen Begabung vermutlich keine Chancen haben, in die Weltspitze vorzudringen. Hier kann man sich aber sehr täuschen.
Das "weniger-geeignete-Talent" bleibt also bei diesem Verfahren auf der Strecke, während der "weniger-talentierte-Geeignete" noch eine Chance der Bewährung bekommt.
Die Eignungs-Tests erfassen in isolierten Test-Situationen nur allgemein vorhandene Merkmale in ihrer jeweiligen Ausprägung. In der konkreten Praxis geht es dagegen um den jeweils konkreten Einzelfall und daher um mehr als bloß um eine Summe von Eignungs-Merkmalen. Es geht vielmehr um ein situationsspezifisch integriertes, ganz individuelles Merkmals-Muster.
Das hochgeeignete Talent ist daher der "seltene" Einzelfall, der auch mit "seltenen" Situationen kreativ umgehen kann.
Es sind also letztlich die Ausnahmen von der sich statistisch zeigenden und bloß grob orientierenden Regel gesucht.
Diese Ausnahmen sind nicht nur eine quantitative Vergrößerung des Normalen, sondern letztlich, als ein neues integrales Ganzes, auch etwas qualitativ Anderes. Diesem Anderen gilt es auf die Spur zu kommen.
In unserem Projekt "Talent-Entfaltung" dient unser theoriegeleitetes Un-terscheiden daher dazu, gleichsam neue Konten zu eröffnen, auf die dann von der Praxis her durch gezieltes Beobachten und Befragen mit konkre-ten Erfahrung eingezahlt werden kann.
In dieser Forschungsmethode kommt der Sportwissenschaft vorerst nur die Aufgabe zu, theoriegeleitete Unterscheidungen und suchkräftige Fragen an die Praxis heranzutragen und sich darauf vorzubereiten, die "Einzahlungen" aus der Praxis mit bereits bestehenden Theorien zu verknüpfen, um so brauchbare Maßnahmen zur Betreuung von Talenten zu entwickeln und zu deren praktischen Überprüfung zu kommen.
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| Subjects: | |
|---|---|
| Notations: | junior sports |
| Language: | German |
| Published: |
2002
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| Online Access: | http://www.talenttag.de/Eignung.doc |
| Document types: | electronical publication |
| Level: | intermediate |