Konzepte erfolgreichen Nachwuchstrainings (KerN) Abschlussbericht zum Forschungsprojekt: "Langfristiger Leistungsaufbau im Nachwuchsleistungssport)

Zukünftige Leistungssteigerungen im Spitzensport können einerseits nicht allein durch die Optimierung des Hochleistungstrainings selbst sichergestellt und andererseits können Erfolge im Jugend- und Juniorenalter häufig nicht in den Spitzensport im Erwachsenenalter überführt werden. Das Problem unzureichender spitzensportlicher Erfolge kann nur durch eine langfristig systematische, ganzheitlich vielseitige und nachhaltige Ausbildung der Spitzensportler von Morgen in den unterschiedlichen Etappen des Nachwuchstrainings behoben werden. Dem Nachwuchstraining kommen drei Funktionen zu: systematisch Voraussetzungen für spätere Höchstleistungen zu schaffen (Ausbildungsfunktion), Talente zu erkennen und zu fördern (Auswahlfunktion) und die Leistungsfortschritte auf dem Weg zur Spitzenleistung zu kontrollieren (Kontrollfunktion). Die in den problemzentrierten und leitfadengestützten Interviews erhobenen Wissensbestände und Handlungsstrategien von erfolgreichen Nachwuchstrainern in Deutschland stellen die Basis dar, aus der sich im Anschluss daran wissenschaftlich überprüfte und anhand von Forschungsstudien belegte Aussagen zu den im aktuellen Nachwuchsleistungssport dominierenden Konzepten, Vorgehensweisen und Bewertungen, aber auch spezifischen Problemlagen und Erkenntnisdefizite generieren lassen (Einführung übernommen vom Verfasser) Wann immer eine Sportlerin oder ein Sportler bei einem der sportlichen Höhepunkte, angefangen bei Olympischen Spielen, aber auch bei Welt- und Europameisterschaften eine sehr gute Leistung erbringt, einen Finalplatz erkämpft oder sogar mit einer der begehrten Medaillen nach Deutschland zurückkehrt, ist das auch Ausdruck einer erfolgreichen Leistungsentwicklung über viele Jahre. Der langfristige Leistungsaufbau vom Kindesalter an ist damit eines der zentralen Themen eines leistungsorientierten Trainings, das sowohl den Alters- als auch den Sportartspezifika entsprechen muss. Dabei durchlaufen die Mädchen, Jungen und Jugendlichen verschiedene Phasen der Entwicklung - verändern sich dabei hinsichtlich ihrer Körpermaße, ihrer Belastbarkeit und Lernfähigkeit, aber auch mit Blick auf ihre psychischen und Persönlichkeitseigenschaften. Neben den alters- und geschlechtstypischen Merkmalen und Möglichkeiten tritt auch die Notwendigkeit der individuellen Entwicklung, vollzieht sich die Entwicklung bei weitem nicht in gleicher Weise für Sportlerinnen und Sportler eines Alters oder in einer Sportart. Aus diesen Rahmenbedingungen ergibt sich eine Vielzahl von Herausforderungen für Übungsleiter und Trainer mit Blick auf allgemeine Trainingsorientierungen oder auf Inhalte von Trainingseinheiten oder Trainingszyklen, auf die Auswahl von Trainingsübungen oder Wettkämpfen, um der individuellen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen gerecht zu werden und gleichzeitig Grundlagen für die Weiterführung der Leistungsentwicklung zu legen. Daraus ergeben sich weitere Aufgaben und Herausforderungen an Trainer und Übungsleiter, müssen sie sich doch über ihre langfristige Orientierung im Kinder- und Jugendtraining Gedanken machen und entsprechende Konzepte entwickeln und umsetzen. Letztlich geht es nicht (nur) um sportliche Erfolge, sondern geht es auch um die Persönlichkeitsentwicklung wie auch um die Erhaltung der Gesundheit der Trainierenden, um die Stärkung ihrer Fitness und Belastbarkeit - und das langfristig nicht nur im Sport. Die Autoren des langfristigen Forschungsprojekts "Konzepte erfolgreichen Nachwuchstrainings (KerN)" an der Universität Bayreuth haben einen solchen übergreifenden Denk- und Forschungsansatz verfolgt und legen mit diesem Band ihren Bericht vor, der sich an Trainerinnen und Trainer, aber auch für den Kinder- und Jugendsport in Vereinen und Verbänden Verantwortliche wendet. Sie stellen dazu ihre Forschungsergebnisse vor, die sich an einer perspektivischen Erfolgsorientierung des Kinder- und Jugendtrainings orientieren und auf Langfristigkeit, Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit beruhen. Aus diesem übergreifenden Denkansatz entwickeln sie sieben Leitorientierung des Nachwuchstrainings, die sportartübergreifenden Charakter besitzen: 1. Erziehungsorientierung des Nachwuchstrainings 2. Teamorientierung des Nachwuchstrainings 3. Technikorientierung des Nachwuchstrainings 4. Schnelligkeitsorientierung des Nachwuchstrainings 5. Athletische Orientierung des Nachwuchstrainings 6. Spielorientierung des Nachwuchstrainings 7. ästhetische Orientierung des Nachwuchstrainings. Für jeden dieser Themenkomplexe bieten sie sehr detaillierte Einsichten in Positionen der befragten 57 Trainerinnen und Trainer (aus 24 Sportarten bzw. Disziplingruppen). Diese wurden ausgewählt, da sie in ihrer bisherigen Tätigkeit erfolgreich Nachwuchsleistungssportler trainiert hatten. Den Interviewaussagen zur jeweiligen Leitorientierung vorangestellt sind sport- und trainingswissenschaftliche Erkenntnisse zum Training im Kinder- und Jugendbereich mit Blick auf den jeweiligen inhaltlichen Schwerpunkt (Begriffe, Strukturen, Entwicklungsmodelle, inhaltliche Trainingsschwerpunkte allgemein und in Sportartengruppen, aktueller Forschungsstand etc.). Daraus entwickelt sich ein sehr informativer Exkurs sowohl in die wissenschaftlichen Grundlagen des Kinder- und Jugendtrainings, aber auch in die aktuelle Trainingspraxis erfolgreicher Trainerinnen und Trainer. Die Lösungen, die von ihnen entwickelt wurden, regen zum Nach- und Weiterdenken an und bieten vielfältige Angebote der Aus- und Weiterbildung von Trainern im Nachwuchsleistungssport.
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:training science junior sports
Language:German
Published: Hellenthal Sportverlag Strauß 2016
Series:Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 2016, 06
Online Access:https://www.sportverlag-strauss.de/schriftenreihe-des-bundesinstituts-fuumlr-sportwissenschaft_107/konzepte-erfolgreichen-nachwuchstrainings-kern_37715.htm
Pages:336
Document types:book
Level:advanced