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Studentischer Spitzensport zwischen Resignation, Mythos und Aufbruch - eine Studie zur dualen Karriere in Deutschland und den USA

In Deutschland bewegen sich die studentischen Spitzensportler derzeit in einer Grauzone verschiedener Verbände und Fördermöglichkeiten. Folge dieser nicht klar definierten und unzureichend abgegrenzten Zuständigkeitsbereiche sind kontraproduktive Überschneidungen von Serviceleistungen und unzureichende Betreuung. Viele studentische Spitzensportler zeigen sich enttäuscht über die fehlende Unterstützung. Bisherige Erfahrungen an deutschen Hochschulen verdeutlichen große Defizite bezogen auf die Flexibilisierung der Organisation, den Ablauf des Studiums oder allgemein auf die Unterstützung und Beratung im Studium. Die vielzähligen Kooperations- und Kommunikationsbarrieren zwischen den involvierten Organisationen und die damit zusammenhängenden Interessenskonflikte zwischen den Universitäten und Verbänden, aber auch innerhalb der Verbände, machen bis heute ein effektives Unterstützungsmodell für studentische Spitzensportler in Deutschland unmöglich. Deutsche studentische Spitzensportler finden oft einen Ausweg, indem sie den "Sprung über den großen Teich" in die USA wagen, da ihnen dort eine höhere Praktikabilität der dualen Karriere angepriesen wird. Ermöglicht die gegebene höhere Planungssicherheit den Spitzensportlern sowohl akademisch als auch sportlich erfolgreich zu sein? Ist die hohe Ungewissheit der dualen Karriere in Deutschland Grund für das Wagnis USA? In keiner anderen Nation wird der internationale studentische Spitzensport so intensiv gefördert wie in den USA. Hunderttausende von einheimischen und ausländischen Athleten erhalten jedes Jahr die Möglichkeit, Hochleistungssport und Studium miteinander zu kombinieren. Die öffentliche Wahrnehmung des amerikanischen Collegesports in Deutschland ist durchweg positiv, obwohl auch das amerikanische System hinter den Kulissen mit schwerwiegenden Problemen zu kämpfen hat. Aus diesem Grund hat der Autor in einer Untersuchung den deutschen und amerikanischen studentischen Spitzensport beleuchtet. Da in den letzten zwei Jahrzehnten in den USA detaillierte Unterstützungsmodelle für studentische Spitzensportler entwickelt wurden, erscheint eine inhaltliche Analyse dieser Modelle sinnvoll. Durch die feste Verankerung des Spitzensports im nordamerikanischen Hochschulsystem zeigen sich signifikante Unterschiede zum deutschen Sportsystem. Die Erkenntnisse der Evaluation verdeutlichen, dass die aktuelle Situation für die studentischen Spitzensportler in Deutschland als unbefriedigend einzustufen ist und die Athleten bei gleichbleibenden Strukturen entweder eine spitzensportlichen Karriere mit paralleler akademischer Ausbildung nicht weiter verfolgen oder ein Auslandsstudium in den USA als Alternative sehen. Gegebenenfalls sollte diese US-Altemative für Studierende stärker gefördert werden, wenn die zuvor vorgestellten Unterstützungsmaßnahmen auch in Zukunft in Deutschland nicht geleistet werden können. Die präsentierten Lösungsansätze beziehen die Förderung der studentischen Spitzensportler im Gegensatz zum aktuellen deutschen Fördersystem nachhaltig mit ein. Durch eine mögliche Kombination von Exzellenzhochschulen für den Spitzensport (oder dem Cluster) und einem individuellen Spitzensportgeld kann eine höhere Zielgenauigkeit erreicht werden. Dadurch wird die Steuerung eines solchen Systems vereinfacht und die Diskriminierung von Gruppen eliminiert. Die individuelle Handlungs-und Entscheidungsfreiheit wird erhöht. Außerdem kann über die Verteilung des Spitzensportgeldes eine höhere Transparenz und Effizienzkontrolle erreicht werden. Die Kombination mehrerer Varianten erhöht die Wahlmöglichkeiten, ein Verbleib von talentierten Sportlern im Spitzensport könnte die Folge sein. Die staatliche Instrumentalisierung wird durch die Wahlfreiheit der Förderung und durch die betonte Komponente der Ausbildung/Studium aufgehoben. So kann diese Neuausrichtung ein Aufbruch sein und positive Effekte herbeiführen. Studentische Spitzensportler erhalten durch das vorgestellte Modell die Möglichkeit, Spitzensport und Studium zu kombinieren. Die in Auszügen vorgestellten Serviceleistungen liefern dabei Entlastungshilfen für die zeitliche Abstimmung von Studieninhalten und Bewältigungsstrategien möglicher Probleme. Sie sind Supportinstrumente zur Koordination und Kommunikation des Studiums, die Integrität des jeweiligen Studiengangs bleibt erhalten. Die erarbeiteten Lösungsvorschläge sind als Alternative zur aktuellen Sportförderung in Deutschland zu betrachten und zeigen Möglichkeiten einer sozial verantwortungsvollen Spitzensportförderung auf, die den studentischen Spitzensportler als ein wichtiges Mitglied im Spitzensport und in der Gesellschaft anerkennt, seinen individuellen, autonom bestimmten beruflichen Weg im Rahmen eines Studiums fördert und ihm Beraungs- und Betreuungsleistungen innerhalb eines Unterstützungsmodells offeriert. Bei der Ergebnisfindung könnten die Resultate des sehr streitbaren amerikanischen Hochschulsystems qualitativ hochwertige Hinweise geben, wie kompetente und effektive Vorgehensweisen eine duale Karriere für studentische Spitzensportler ermöglichen. übern. gek.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Nachwuchssport Ausbildung und Forschung Theorie und gesellschaftliche Grundlagen
Tagging:Collegesystem
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Göttingen Optimus Verlag 2015
Seiten:570
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch