Talentintegration im deutschen Fußball. Die Arbeit der Nachwuchsleistungszentren im Fokus
1995 entschied der Europäische Gerichtshof, dass Profifußballer nach dem Ablauf ihres Vertrages ohne die Zahlung einer weiteren Ablöse zu einem anderen Verein wechseln dürfen. Fünf Jahre später wurde die Fußball-Europameisterschaft in den Niederlanden und in Belgien zu einem sportlichen Desaster für die deutschen Starkicker - sie schieden als Gruppenletzter in der Vorrunde aus.
Beide Ereignisse haben zweifelsohne einen prägenden Einfluss auf den deutschen Fußball gehabt, sowohl mit Blick auf die Spitzenvereine als auch auf das Gesicht des deutschen Fußballs - die Nationalmannschaft.
Die zielgerichtete Ausbildung von fußballerischen Talenten, wie sie bis dahin schon sehr erfolgreich in anderen Ländern praktiziert wurde, geriet in den Fokus des Interesses und wurde dann auch strategisch geplant - in Vereinen wie auch beim Deutschen Fußball-Bund. Nach einigen Jahren schon zeigten sich die Erfolge in den DFB-Nachwuchsteams, die in Europa und der Welt zu den Klassenbesten zählten, Medaillen und Titel bei den großen Meisterschaften gewannen. Viele derer, die dann ab 2006 ein neues Bild des deutschen Fußballs in die Welt trugen, in dem "deutsche Fußballtugenden" wie Athletik und Einsatzbereitschaft mit technischer Brillanz und Kreativität verbunden waren. Die Stars dieser Teams haben mehrheitlich das Talentfördersystem der Bundesligavereine durchlaufen, was seit etlichen Jahren für die 1. und 2. Bundesliga verpflichtend ist, um eine Lizenz zu erhalten.
Mit dem Aufbau dieser vereinsgebundenen Förderung in den Fußballakademien und -internaten veränderte sich auch die Situation der einheimischen wie auch der ausländischen Spieler, die ja durch das Bosman-Urteil auch einen leichteren Zugang zu den Topvereinen des Landes erhielten.
Was hat sich aber genau verändert? Wie sieht die Ausbildungsstrategie der Vereine aus, wenn man den Blick vom Fußball weg auf die ökonomischen Bedingungen für Vereine und Spieler richtet. Gibt es Belege dafür, dass die bessere und zentral geführte sportliche Ausbildung der besten Jugendspieler ihnen auch bessere Einsatzchancen in Bundesligavereinen ermöglichten? Wurde damit auch der Anteil der im Ausland ausgebildeten Spieler in diesen Vereinen geringer? Wie sieht es inzwischen bei der Vertragsgestaltung für junge deutsche und für erfahrenere ausländische Spieler aus? Gibt es Unterschiede zwischen den Topvereinen, die über viele finanzielle Mittel sowohl für die Nachwuchsförderung als auch für die Verpflichtung ausländischer Stars verfügen und den Vereinen, die keine vergleichbaren wirtschaftlichen Grundlagen besitzen?
Tobias Herz hat sich genau dieser und weiterer damit verbundener Fragen in seiner Analyse angenommen und zeichnet ein sehr differenziertes, außerordentlich interessantes Bild von den "kombinierten" Auswirkungen des Bosman-Urteils und der Fußball-Nachwuchsinitiativen des DFBs und seiner Bundesligavereine. Eine lesenswerte Lektüre sowohl für Vereinsmanager und Präsidiumsmitglieder, wenn es darum geht, strategische Entscheidungen zur perspektivischen Ausrichtung ihres Nachwuchs- und Hochleistungsbereichs zu treffen. Und da sie die Grundlagen für die deutschen Auswahlteams schaffen, wird die Arbeit auch auf Verbandsebene interessierte Leser finden.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Nachwuchssport Spielsportarten |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hamburg
Diplomica Verlag GmbH
2015
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| Seiten: | 80 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | mittel |