Leistungsauffälligkeit = Talent? Ein Beitrag zur Eignungsdiagnostik im Schwimmen
Trotz zahlreicher Aktivitäten der Sportwissenschaft im Bereich Talentdiagnostik hat sich die Talentsuche in den Vereinen und Verbänden kaum spürbar verbessert. Viele sogenannte "Talentsichtungen" werden dem komplexen Charakter der Leistungsstruktur der jeweiligen Sportart nicht gerecht, diagnostische Verfahren überfordern die Vereine und die Prognostizierbarkeit der bei Kindern erfassten Testwerte ist fraglich. Deshalb dominiert zur Rekrutierung von Leistungsund Kadergruppen immer noch die Auswahl nach der sportlichen Leistung. Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) überprüft jährlich bei den besten 12-jährigen Schwimmerinnen und 13-jährigen Schwimmern im Rahmen eines Mehrkampfs die Leistungen sowohl im Schwimmen als auch in weiteren Tests. In diesem Beitrag wird die sportliche Entwicklung dieser Kinder bis zum Erwachsenenalter verfolgt und retrospektiv mit der Ausgangsleistung verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass Talente in der Mehrheit bereits im Kindesalter leistungsauffällig sind, aber nicht im Verhältnis 1:1. Das heißt, die besten 12- bis 13-Jährigen sind nicht automatisch die besten Erwachsenen ("Nichtlinearität"). Dabei zeichnen sich die im Erwachsenenalter Erfolgreichen durch eine hohe Vielseitigkeit im Kindesalter aus. Das spricht für die erstrangige Aufgabe des Aufbautrainings, vielseitige Leistungsvoraussetzungen zu schaffen. Im Hochleistungstraining nachgewiesene Zusammenhänge zwischen Körperbau und Schwimmleistung oder der Einfluss des biologischen Alters ließen sich statistisch nicht signifikant nachweisen, da das Kindesalter ständigen Veränderungen sowohl in der individuellen Entwicklung als auch im Umfeld unterwor fen ist. Hinzu kommt mit dem "Wassergefühl" ein spezifisches Talent, das die weitbesten Schwimmerinnen und Schwimmer auszeichnet, aber schwer zu erfassen ist. Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich für die Trainingspraxis folgende Forderungen:
• Der Grundausbildung im Sinne des "Wasser Erlebens" muss mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.
• Das Aufbautraining als Voraussetzungstraining muss vielfältig gestaltet werden.
• Bei der Leistungsauswahl müssen immer die körperliche Entwicklung (Wachstum, Reifegrad), das absolvierte Training (Trainingsdokumentation) und weitere Leistungsparameter (Leistungsdiagnostik) einbezogen werden.
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| Subjects: | |
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| Notations: | endurance sports junior sports |
| Published in: | Swim & more |
| Language: | German |
| Published: |
2011
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| Pages: | 48-54 |
| Document types: | article |
| Level: | advanced |