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Biology of athletic talent

(Die Biologie des sportlichen Talents)

Aufgrund äußerer Einflüsse (wie z. B. Medienwirksamkeit und Popularität einer Sportart, Einfluss von Freunden, finanzielle Situation o. ä.) wählen Kinder und Jugendliche häufig Sportarten, für die sie aus physiologischer oder körperbaulicher Sicht gar nicht geeignet sind. Tatsächliche Talentsuche (sowohl innerhalb der Sportarten in schon bestehenden Trainingsgruppen als auch sportartenunabhängig durch allgemeine Sichtung) ist ein komplexer, wissenschaftlich gestützter Prozess mit vielen Variablen. Genetische Veranlagung ist nur ein Teilaspekt, der am Anfang ausschlaggebend ist. Aufgrund des Einflusses vieler anderer Faktoren und Parameter ist es jedoch auch möglich, Spitzenleistungen ohne die perfekten genetischen Voraussetzungen zu erzielen. Verf. geht unter dieser Betrachtungsweise ein auf die körperliche Struktur (interne und externe Strukturen im Zusammenhang mit der genetischen Veranlagung) und stellt fest: 1. Die Körperstruktur ist genetisch bestimmt. Talentfindungsprogramme gehen davon aus, dass - wenn die für eine Sportart typischen körperlichen Merkmale bekannt sind - die Physis der jeweiligen Sportart angepasst werden kann. 2. Während die externen Körpergrößen einige Auskünfte über das sportliche Potenzial eines Jugendlichen geben kann, sind die genetischen Voraussetzungen der inneren Strukturen ebenso wichtig. Im Gegensatz zu den externen Strukturen, die im Entwicklungsverlauf unverändert bleiben, verändern sich die inneren Strukturen in Größe und Geschwindigkeit entsprechend der energetischen Bedürfnisse. Diese Adaptationsfähigkeit der inneren Strukturen wird zur Verbesserung der sportlichen Leistungsfähigkeit benutzt. 3. Die obere Leistungsgrenze ist durch zwei Design-Parameter festgelegt. Das eine davon ist das strukturelle Design-Parameter, das die obere Grenze der Leistungsfähigkeit durch den Rahmen des maximal möglichen Wachstums der Strukturen (Größenausdehnung) festlegt. Das andere ist das funktionelle Design-Parameter, das die Grenzen der sportlichen Leistung durch die maximal mögliche Operationsgeschwindigkeit der Strukturen bestimmt. Damit ist ein individuelles Leistungslimit vorgegeben. 4. Die Größe der internen Körperstrukturen steht in Relation zur Intensität des Trainingsstimulus. Die Größe der Struktur entspricht fast immer dem aktuellen Energiebedarf, wobei jedoch eine genetisch bestimmte Obergrenze existiert, über die hinweg kein Trainingsstimulus mehr einen weiteren Leistungszuwachs erbringt. 5. Die sportliche Gesamtleistung eines Athleten in jedem beliebigen Entwicklungsstadium wird bestimmt durch die Obergrenze von funktionellem und strukturellem Design-Parameter. Die Talentfindungs- und Sichtungstheorie geht davon aus, dass die natürliche Kapazität vor dem Training zum maximal möglichen Leistungspotenzial in Relation steht und es ein zusätzliches strukturelles Wachstum immer geben wird. Tests können jedoch nicht die Obergrenze des strukturellen Wachstums und damit ebenso wenig die obere Leistungsgrenze vorhersagen. 6. Beim Aufbau der strukturellen Kapazität gilt die Faustregel: es benötigt ca. 4-6 Wochen, bis der Aufbauprozess eintritt. Danach bewirkt ein weiterer Anstieg des Trainingsstimulus die Stimulierung weiteren Wachstums über die darauffolgenden 4-6 Wochen. Dieser Kreislauf kann bis zum genetisch bestimmten Limit wiederholten werden. 7. Gute genetische athletische Voraussetzungen sind keine Garantie für das erreichen sportlicher Höchstleistungen, sondern lediglich eine wesentliche Ausgangsposition.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft
Veröffentlicht in:Modern Athlete & Coach
Sprache:Englisch
Veröffentlicht: 2009
Jahrgang:47
Heft:1
Seiten:7-10
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch