Die Nominierung im Sport
Als Medien vor etlichen Jahren zum ersten Mal darüber berichteten, dass ein Sportler in den USA ein ordentliches Gericht anrief, um seine Nominierung für das amerikanische Olympiateam durchzusetzen, war das Thema in Deutschland noch nicht "angekommen". Inzwischen sahen sich aber auch deutsche Sportverbände und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit vergleichbaren Situationen und rechtlichen Herausforderungen konfrontiert. Angesichts der (wirtschaftlichen) Bedeutung, die eine Nominierung für eine Weltmeisterschaft oder für die Olympischen Spiele für Sportler inzwischen besitzen kann, greifen diese auch auf die rechtlichen Möglichkeiten zurück, um eine Wettkampfteilnahme durchzusetzen. Damit ist das Thema rechtlicher Grundlagen für Nominierungsentscheidungen für nationale Auswahlmannschaften bis hin zum olympischen Team Deutschland in den Fokus sowohl des nationalen und internationalen Verbandsrechts gerückt. Eng verbunden mit dem Sportrecht stehen aber sofort Fragen der Anwendbarkeit von Bestimmungen und Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs, die im Zusammenhang mit Sportvereinen und von ihnen getroffenen Regelungen bereits mehrfach und zu anderen Themen Gegenstand rechtlicher Auseinandersetzungen gewesen sind. Eine umfassende rechtliche Erörterung der Problematik lag aber bisher nicht vor, insofern betritt Paul Lambertz rechtliches Neuland, zu dem sowohl mit Blick auf aktuelle Diskussionen, aber insbesondere auch mit Blick in die weitere Zukunft und einer zu schaffenden Rechtssicherheit für Vereine, Verbände und Sportler Klärungs- und wohl auch Handlungsbedarf besteht.
Angesichts der Besonderheiten, die das deutsche Sportsystem kennzeichnen, wie der nicht zu leugnenden Monopolstellung von Sportverbänden und der nationalen Sportorganisation DOSB ist die Rechtssituation sehr speziell und bedarf einer gesonderten und eingehenden Betrachtung. Hinzu kommt, dass die Teilnahme an einer Vielzahl von internationalen Sportwettkämpfen wie Olympischen Spielen, Welt- und Kontinentalmeisterschaften, Welt- und Europacups nur dann möglich ist, wenn eine Sportorganisation eine Nominierung für eine Sportlerin oder einen Sportler ausgesprochen hat. Dadurch erhält das olympische Motto "Dabeisein ist alles" schon im Vorfeld dieser Wettkämpfe eine besondere, neue Bedeutung, wenn es darum geht, zum Beispiel den einzigen einem Land zustehenden Startplatz gegen nationale Konkurrenz zu erhalten. Auf internationaler Ebene kann sich dieses Procedere dann noch einmal wiederholen, da vor der Teilnahme an großen internationalen Meisterschaften die durch die internationalen Sportverbände oder das IOC festgelegten Qualifikationsnormen bzw. Qualifikationskriterien erfüllt sein müssen.
Diese Verfahren müssen im Rahmen klarer Festlegungen ablaufen, die den Akteuren vor dem Beginn der Qualifikationsphase und dem sich anschließenden Nominierungsverfahren bekannt sein müssen, sie müssen transparent organisiert werden und den allgemeinen rechtlichen Standards entsprechen, um letztlich auch nicht angefochten werden zu können. Die Dissertation von Paul Lambertz befasst sich mit der aktuellen Rechtssituation zum Nominierungsthema bzw. zum Nominierungsprozess in Deutschland, bleibt aber dabei nicht stehen, sondern formuliert zu den verschiedenen Teilthemen ein Fazit mit Aufforderungscharakter an die Verantwortlichen in den Sportorganisationen. Dabei werden alle Phasen eines typischen Nominierungsprozesses analysiert, beginnend mit dem Verfahren und der Notwendigkeit der Formulierung von Nominierungskriterien durch den Sportverband. Dazu wird die Frage aufgeworfen, welchen inhaltlichen Elemente und objektive Kriterien zu Nominierungsrichtlinien gehören und wie diese formuliert sein müssen, damit für alle Akteure das Verfahren nachvollziehbar und eindeutig ist, auch für vorherzusehende "kritische" Nominierungsentscheidungen. Dazu gehört letztlich auch die zu klärende Frage, welche Rechtsansprüche ein Sportler gegenüber einer nominierenden Organisation geltend machen kann, falls dieser ein Fehler unterlaufen ist, der zu seiner Nicht-Nominierung geführt hat.
Da sich Sportler in der Gegenwart oftmals in einem Vertragsverhältnis mit unterschiedlichen Parteien befinden können (Vereine, Verbände, Sponsoren etc.) können sich daraus ebenso besondere Erfordernisse hinsichtlich der Nominierung ergeben, weshalb auch auf dieses Thema explizit eingegangen wird.
Das abschließende Kapitel widmet sich dann der Frage, wie (und ob) ordentliche Gerichte angerufen werden können, um Nominierungsentscheidungen von Sportorganisationen zu überprüfen.
Inhalt
1. Kapitel Einleitung
2. Kapitel Einführung in das deutsche Vereins- und Verbandswesen
3. Kapitel Nominierungspraxis
4. Kapitel Anspruch auf Erlass von Nominierungsrichtlinien
5. Kapitel Inhalt von Nominierungsrichtlinien
6. Kapitel Der Anspruch auf Nominierung
7. Kapitel Der Nominierungsvertrag
8. Kapitel Der Anspruch auf Teilnahme an nicht verbandlich organisierten Wettkämpfen
9. Kapitel Sekundärrechtsschutz
10. Kapitel Gerichtliche Überprüfung
© Copyright 2012 Veröffentlicht von Kovac. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Theorie und gesellschaftliche Grundlagen Sportgeschichte und Sportpolitik |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hamburg
Kovac
2012
|
| Ausgabe: | Hamburg: Kovac, 2012.- 183 S. |
| Schriftenreihe: | Sportrecht in Forschung und Praxis, 10 |
| Seiten: | 183 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |