Spitzensport und Studium. Eine organisationssoziologische Studie zum Problem Dualer Karrieren

Ein Blick in die Ergebnislisten von internationaler Jugend- und Juniorenmeisterschaften zeigt in nicht wenigen Sportarten, dass sich junge Leistungssportler Deutschlands sehr wohl im internationalen Wettstreit mit den Gleichaltrigen aus Russland, Australien, Frankreich oder China gut behaupten können. Wenn man dann aber der Frage nachgeht, welchen sportlichen Entwicklungsweg diese hoffnungsvollen Talente nach dem Ende ihrer Schulzeit einschlagen, werden im internationalen Vergleich bei den deutschen Nachwuchsathleten eine Reihe von Problemen deutlich, die zwar in der Sportpolitik und in den Sportorganisationen bekannt sind, für die es aber gegenwärtig keine echten, landesweit "greifenden" Lösungen gibt. Die Kombination von Studium und Leistungssport ist zwar auch in Deutschland gewünscht (und wird auch von vielen Athleten angestrebt, ist sie doch für die Zeit nach der sportlichen Karriere entscheidend), entsprechende Lösungen, die sowohl akademisch als auch sportlich eine erfolgreiche Entwicklung versprechen, sind aber eher die Ausnahme, können sie doch oftmals nur mit erheblichem Aufwand aller Beteiligten für Einzelne organisiert werden. Sowohl seitens der Sportorganisationen und der Sportler selbst, die über viele Jahre zeitlich wie auch organisatorisch und nicht selten finanziell große "Investments" in die sportliche Leistungsentwicklung der Talente getätigt haben, ist es von großer Bedeutung, dass sportlich talentierte Mädchen und Jungen sich gerade zu dem Zeitpunkt, da sich diese Investitionen anfangen sportlich auszuzahlen, vor die Entscheidung zwischen Studium/Ausbildung und Sport/Training gestellt sehen. Die bisherigen Bemühungen der Sportorganisationen, Universitäten und Hochschulen partnerschaftlich an sich zu binden, sind ganz offensichtlich nicht ausreichend. Auf die Frage nach der Reputation des Leistungssports an den akademischen Ausbildungseinrichtungen des Landes bekommt man eine auf Mängel, fehlende Flexibilität und kaum auf die Bedingungen des Trainings und Wettkampfs auszurichtenden Lehr- und Prüfungsbetrieb weisende Antwort. Angesichts der föderalen Strukturen Deutschlands und der Landesobhut für die akademischen Einrichtungen kommt ein weiteres Problem hinzu, das eine nationale Lösung unwahrscheinlich erscheinen lässt. Wichtig erscheint den Autoren um Carmen Borggrefe, Klaus Cachay und Lars Riedl aber auch, dass es seitens der Sportorganisationen nicht ausreichend ist und der aktuellen Situation in Deutschland nicht gerecht wird, nur mit dem Finger auf die Bildungspolitik der Länder und die Verantwortlichen der Universitäten zu zeigen, zuerst ist es auch an den Sportorganisationen, intern die Bedingungen so zu gestalten, dass die notwendigen Voraussetzungen für eine Koordination und Kooperation auf höherem Niveau gegeben sind. Die Autoren der vorliegenden Untersuchung plädieren für den lokalen und regionalen Bedingungen angepasst Netzwerke, wozu die Gewinnung von Personen an den Universitäten erforderlich scheint, die Positionen bekleiden, die mit übergreifender Entscheidungsbefugnis ausgestattet sind. Die Netzwerke sollten unbedingt auf formalen Kooperationsvereinbarungen basieren, aber noch genügend Raum und Flexibilität gestatten, um den aktuellen akademischen und sportlichen Anforderungen der studierenden Leistungssportler gerecht werden zu können. Inhalt I Einführung und Problemstellung 1 Einleitung 2 Forschungsstand II Theoretische Überlegungen 3 Zur Unvereinbarkeit von Hochschulstudium und Spitzensport 4 Strukturanalyse von Hochschulen und Spitzensportorganisationen 4.1 Mitgliedschaftsbedingungen in Hochschulen und Sportorganisationen 4.2 Organisationstheoretische Betrachtung von Hochschulen und Sportorganisationen 4.2.1 Möglichkeiten und Grenzen von Strukturanpassungen in Hochschulen 4.2.2 Möglichkeiten und Grenzen von Strukturanpassungen in Sportorganisationen 5 Interorganisationsbeziehungen 5.1 Organisation und Umwelterwartungen 5.2 Koordination der Interorganisationsbeziehungen 5.2.1 Möglichkeiten und Grenzen zentraler Steuerung durch die Politik 5.2.2 Dezentrale Abstimmung im Rahmen von Netzwerken 6 Leitfragen der empirischen Untersuchung III Konzeption und Durchführung der Untersuchung 7 Methodisches Vorgehen und Untersuchungsdurchführung IV Ergebnisdarstellung 8 Zum Inklusionsproblem studierender Spitzensportler 8.1 Grundprobleme der Vereinbarung von Spitzensportkarriere und Hochschulstudium 8.1.1 Zulassungsproblem 8.1.2 Finanzierungsproblem 8.1.3 Zeit- und Abstimmungsproblem 8.2 Individuelle Bewältigungsstrategien von Athleten und Konsequenzen für den Spitzensport 8.3 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 9 Strukturanpassungen und Unterstützungsleistungen auf organisationaler Ebene 9.1 Hochschulen 9.1.1 Spitzensportförderung als Aufgabe von Hochschulen 9.1.2 Institutionalisierbarkeit von Unterstützungsleistungen 9.1.3 Unverbindlichkeit und Personenabhängigkeit von Unterstützungsleistungen 9.1.4 Etablierung von Stellen für die Betreuung studierender Spitzensportler 9.1.5 Stellenwert der Spitzensportförderung im Leitbild der Hochschulen 9.1.6 Exkurs: Sonderfälle der Spitzensportförderung an Hochschulen: Fern- und onlinebasierte Studiengänge 9.1.7 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 9.2 Spitzensportorganisationen 9.2.1 Problemwahrnehmung, Unterstützungsleistungen und Grenzstellenfunktionen 9.2.2 Koordinations- und Kooperationsbarrieren 9.2.3 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 10 Koordination der Interorganisationsbeziehungen zwischen Hochschulen und Sportorganisationen 10.1 Zentrale Koordinationsversuche 10.2 Netzwerkförmige "Eroberung" der Hochschulen 10.3 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen V Fazit und Ausblick
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:social sciences junior sports
Language:German
Published: Schorndorf Hofmann Verlag 2009
Edition:Schorndorf: Hofmann, 2009. - 359 S.
Series:Reihe Sportsoziologie
Pages:359
Document types:book
Level:advanced