Vertrauen im Leistungssport

Die Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen wird in starkem Maße durch Bezugspersonen beeinflusst, zu denen sie Vertrauen haben. Dies trifft insbesondere auf solche Lebens- und Anforderungssituationen zu, in denen sie mit besonders hohen oder komplizierten Anforderungen konfrontiert werden und zu deren Bewältigung sie auf eine soziale Unterstützung angewiesen sind. Im Bereich des Nachwuchsleistungssports wie auch des Hochleistungssports gehören derartige Szenarien eher zum Standard als zu den Ausnahmesituationen. Junge Sportlerinnen und Sportler sehen sich sowohl schulischen und sportlichen Herausforderungen gegenüber, die sie als Teil ihrer Persönlichkeitsentwicklung, und damit auch einer pädagogisch-psychologischen Entwicklung, meistern sollen und wollen. Dabei spielt die Beziehung zwischen dem Sportler und dem ihn betreuenden Trainer eine sehr wichtige Rolle. Vertrauen zwischen beiden kann wesentlich dazu beitragen, dass es dem Sportler gelingt, alle Anforderungen erfolgreich "unter einen Hut" zu bekommen. Dabei ergeben sich sehr unterschiedliche Einflussebenen, die von der Autoren als - pädagogische Beziehung - Coaching-Beziehung - Mentor-Protege-Beziehung - Führungsbeziehung - soziale Unterstützungsbeziehung - Variable des Burnout - Variable des Dropout. beschreibt. Im Rahmen einer gemischt qualitativ/quantitativen Untersuchung mit (semi-)professionellen Tennisspielern und hoch qualifizierten Trainern wurde dieses komplexe Beziehungsgefüge untersucht, um folgende Themenbereiche aufzuhellen: - Bedeutung des Vertrauens zwischen Trainer und Sportler - geschlechts- und sportartspezifische Besonderheiten - Merkmale von Vertrauensbeziehungen zwischen Trainer und Athlet sowie deren Auswirkungen. - individuelle Vertrauenstendenz und implizite Vertrauenstheorien von Trainern und Athleten - eigene und dekodierte vertrauensfördernde Verhaltensweisen - Bedingungen des Vertrauensaufbaus und -abbruchs - Überzeugungen der Trainerüber ihr eigenes Führungsverhalten und die Bewertung des pädagogischen Charakters der Beziehung: Innerhalb des Untersuchungsdesigns wurden ebenfalls motivationale und leistungsbezogene Indikatoren einbezogen und die Beziehungen der Sportler zu ihren Eltern sowie weiteren Personen des sozialen Nahraums analysiert. An der Untersuchung beteiligten sich 21 Tennisspieler im Alter von 16 bis 27 Jahren und 16 Trainer. Nachdrücklich stützen die Untersuchungsergebnisse die Auffassung, dass gegenseitiges Vertrauen die Basis der Zusammenarbeit zwischen Trainer und Athlet ist und von beiden gewünscht und angestrebt wird. Dabei ist der Prozess des Aufbaus von Vertrauen ein längerfristiger, der mehrere Jahre in Anspruch nimmt. Erlebtes Vertrauen fördert die Leistung des Sportlers und führt zu Auswirkungen im Verhalten der Sportler während Trainings- und Wettkampfsituationen wie auch im außersportlichen Bereich. Zum Beispiel verlässt sich der Athlet nahezu bedingungslos auf die fachliche Kompetenz in den Bereichen Trainingsmethodik und Medizin, die Ehrlichkeit und Verschwiegenheit des Trainers. Insgesamt konnte die Relevanz zentraler Konzepte der Differentiellen Vertrauenstheorie für den leistungssportlichen Kontext belegt werden.
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:social sciences junior sports
Language:German
Published: Frankfurt/Main Lang 2006
Edition:Frankfurt/M.: Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften, 2006. - 296 S.
Series:Psychologie und Gesellschaft, 4
Pages:296
Document types:book
Level:advanced