Führen Extremausdauerbelastungen zu Gesundheitsstörungen?
(Does extreme endurance exercise lead to health problems?)
In der Frühzeit der Geschichte der Menschheit hatten Gehen, Laufen, Springen und Werfen eine elementare Bedeutung zum Lebenserhalt. Die noch lebenden Nach-kommen des afrikanischen Urvolks der San in Namibia, die einstigen Jäger und Sammler, sind indirekte Zeugen der körperlichen Belastbarkeit (Marks, 2000). Die Bevölkerungsgruppe der San gilt genetisch als das älteste Volk der Welt. Ihre Kultur lässt sich durch Steinmalereien 10.000 bis 25.000 Jahre zurückverfolgen. Für ihre praktizierten Ausdauerjagden auf Antilopen waren sie bis zu 40 Stunden unterwegs. Das tägliche Belastungsmaß der Männer wird auf 20 km geschätzt. Die epigenetischen Einflüsse in den Industrienationen auf die körperliche Belastbarkeit hat sich der Gebrauch der einst erblich vorgegebenen Ausdauerfähigkeit stark zurückgebildet. Die durchschnittlichen Bewegungsausmaße bewegen sich derzeit täglich im Be-reich von zwei Stadionrunden (~800 m).
Heutzutage nutzt gerade noch der Leistungssportler das ererbte muskuläre Leistungspotenzial. Der aktive Fitnesssportler begnügt sich mit täglich 10 % der möglichen körperlichen Belastbarkeit. Sportler, die den Anforderungen des Hochleistungssports nicht nachkamen, suchten eigene Wege, um einen lokalen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Neben dem Marathon waren es noch längere Läufe. Die Bewegung der Ultraläufer nahm in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts mit wenigen Enthusiasten ihren Anfang und ist jetzt fast zu einer Massenbewegung geworden, denn von 2000 bis 2020 stieg die Starterzahl bei Ultraläufen von 5.000 auf über 300.000 an (Scheer, 2019).
Nachfolgend werden ausgewählte gesundheitliche Gefahren von Ultrabelastungen auf die Gesamtgesundheit und einzelne Organsysteme beschrieben. Der Forschungsbedarf zu den Gesundheitsgefahren von Extrembelastungen ist hoch.
Die physiologischen Anforderungen der Ultrabelastungen gehen weit über das Anforderungsmaß des Marathonlaufs oder ähnlicher Belastungen hinaus. Genetisch ist der Mensch eigentlich wenig auf diese Extremanforderungen vorbereitet.
Unterschiedliche Motive führten zur Verlängerung der Laufstrecken bzw. der abgeforderten Belastungsdauer. Auch ein transzendentaler Hintergrund bei der Bewältigung von Extremstrecken ist belegt. Die Streckenlängen wurden bis zu 3.100 Meilenläufen in New York gesteigert. Initiator der Streckensteigerungen war der inzwischen verstorbene Guru Sri Chinmoy.
Der gesundheitliche Wert des lebensbegleitenden Sporttreibens mit moderater Intensität ist bezüglich Gesundheitsstabilität und Lebensverlängerung belegt, nicht je-doch eindeutig die Gefahren von wiederholten Extrembelastungen über mehrere Jahre.
© Copyright 2024 37. & 38. Internationales Triathlon-Symposium Leipzig 2022 / Großwallstadt 2023. Published by Feldhaus, Ed. Czwalina. All rights reserved.
| Subjects: | |
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| Notations: | endurance sports biological and medical sciences |
| Published in: | 37. & 38. Internationales Triathlon-Symposium Leipzig 2022 / Großwallstadt 2023 |
| Language: | German |
| Published: |
Hamburg
Feldhaus, Ed. Czwalina
2024
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| Series: | Triathlon und Sportwissenschaft, 30 |
| Pages: | 162-191 |
| Document types: | article |
| Level: | advanced |