Körpergewichtsabnahme durch Schwitzen im Wasser bei Leistungsschwimmern
Schwitzen Schwimmer im Wasser? Bis in die achtziger Jahre hinein wurde diese Frage verneint. In der aktuelleren Literatur wird jedoch diesem Phänomen erneut nachgegangen:
Besonders in Australien gibt es von verschiedenen Wissenschaftlern einige Forschungsstudien zur Schweißabgabe im Wasser. Allerdings wies die gefundene Literatur keine ausreichend spezifizierten Hinweise hinsichtlich der Randbedingungen, die in das Ergebnis einflossen, auf. Ziel dieser Arbeit war es daher, den Sachverhalt der Schweißabgabe beim Schwimmen unter möglichst standardisierten Randbedingungen zu untersuchen und eventuelle Schlußfolgerungen für die Praxis herzustellen. Die dabei beachteten Randbedingungen waren:
- die Wasseraufnahme der Haut,
- die Anfeuchtung der Atemluft,
- der Nährstoffverbrauch und somit aerobe Wasserproduktion sowie CO2-Abgabe,
- die Aufnahme von Speisen und Getränken sowie,
- die Ausscheidung von Kot und Urin.
In Gesprächen mit den Trainern stellte sich heraus, daß sich auch das Trinkverhalten von Leistungsschwimmern, die früher während des Trainings nicht tranken, maßgeblich geändert hat. Aus diesem Grund wurde eine orientierende Zweitstudie zum Trinkverhalten im Training durchgeführt. Anhand der recherchierten Literatur ergaben sich für das geplante Experiment folgende Zielsetzungen: Es sollte die Masse des abgegebenen Schweißes unter den obengenannten Randbedingungen ermittelt werden. Ebenso sollte geklärt werden, ob das Geschlecht, die Wassertemperatur, das Körpergewicht und die thermische Behaglichkeit einen Einfluß auf die Schweißabgabe ausüben. Die orientierende Parallelstudie zum Trinkverhalten sollte im Hinblick auf die Trinkmenge, den Trinkzeitpunkt und die ausgeschiedene Urinmenge (bei den Männern) untersucht werden. Die Versuche zum Schwitzen und zum Trinkverhalten wurden jeweils mit Leistungsschwimmern durchgeführt. Die Versuche zum Schwitzen im Wasser bestanden aus Einschwimmen, Stundentest und Ausschwimmen. Dabei wurde das Körpergewicht der Probanden dreimal - nach dem Duschen, nach dem Einschwimmen und nach dem Ausschwimmen - festgestellt. Der Stundentest war für die untersuchten Schwimmer ein üblicher Leistungstest. Dabei schwammen sie in der Stilart Kraul so viele Meter, wie sie mit maximaler Anstrengung schafften. Bei den Versuchen zum Trinkverhalten wurde während eines zweistündigen Trainings die Zeit und das jeweils neue Gewicht der Trinkflasche der einzelnen Schwimmer nach einer Trinkpause notiert. Aus den daraus resultierenden Gewichtsdifferenzen der Trinkflaschen wurde die Menge der getrunkenen Flüssigkeit errechnet. Bei den Männern wurde im direkten Anschluß an das Training die Urinmenge ermittelt. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, daß Leistungsschwimmer beim Schwimmen geschwitzt haben, denn unter Berücksichtigung aller Randbedingungen bleibt ein Fehlbetrag von -0,30 kg/h erhalten, der als Maß für den abgegebenen Schweiß gelten darf. Allerdings war bei der untersuchten Stichprobe kein signifikanter Einfluß des Geschlechts, der Wassertemperatur, des Körpergewichts sowie der thermischen Behaglichkeit festzustellen. Bei der Untersuchung des Trinkverhaltens zeigte sich keine Regelmäßigkeit beim Trinkzeitpunkt und in der Trinkmenge. Jedoch konnte festgestellt werden, daß die Sportler häufig kleinere Trinkmengen zu sich nehmen. Dies entspricht dem heutigen Forschungsstand in Bezug auf die Erhaltung der Leistungsfähigkeit. Bei den 9 Männern steht die Menge des Getrunkenen (Mittelwert 344 ml/h) in keinem Zusammenhang mit der ausgeschiedenen Urinmenge (Mittelwert 40 ml/h). Aus den Untersuchungsergebnissen kann geschlossen werden, daß die Leistungsschwimmer mit Ihrem Trinkverhalten eine optimale Voraussetzung zur Erhaltung ihrer Leistungsfähigkeit schufen, da sie häufig kleinere Mengen tranken und somit den zu erwartenden Körpergewichtsverlust durch Schwitzen sowohl mengenmäßig, als auch dem zeitlichen Verlauf entsprechend, annähernd ausglichen.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin Ausdauersportarten |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Mainz
2000
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| Online-Zugang: | http://www.uni-mainz.de/FB/Sport/physio/pdffiles/318sumw.pdf |
| Dokumentenarten: | Dissertation |
| Level: | mittel |