Leistungsniveau und Entwicklungstendenzen in den leichtathletischen Ausdauerdisziplinen aus der Perspektive der Olympischen Spiele 1996
Grundlage aller Schritte ist eine realistische Analyse der Vorbereitung, insbesondere des Trainings im WM-Jahr 1994/95. Erst auf dieser Basis sind folgende Problemkreise lösbar:
(1) Bei realer Leistungsbeurteilung und wirkungsvoller Vorbereitung
ist es möglich, bei den OS 1996 folgende Ergebnisse zu erzielen:
- Plazierungen unter die ersten Drei sind erreichbar von: D. Baumann, N. Motchebon und St. Franke,
- Endkampfplazierungen bis Platz 8 sind realisierbar von: St. Brand, M. Strege, R. Stenzel, S. Krolik, B. Gummelt, N. Tsamonikian.
Für diese Sportlerinnen/Sportler ist vorwiegend die Einzelvorbereitung mit Beratung der Heimtrainer und eine gezielte Unterstützung beim Schaffen aller erforderlichen, das Trainingkonzept sichernden Bedingungen, einschließlich der wissenschaftlichen Trainingsbegleitung, die effektivste Vorbereitungsform.
(2) Die Konzentration sollte sich auf die Vorbereitung eines Anschlußkaderkreises richten, der sich aus hoffnungsvollen Talenten zusammensetzt, mit denen deutliche Leistungsfortschritte und eine größere Leistungsbreite erreichbar sind, die wiederum Spitzenleistungen stimulieren. Denkbar sind folgende Schritte:
- 4 - 6 Sportlerinnen/Sportler einer Disziplingruppe
(Mittelstrecke, Langstrecke, Gehen) werden gezielt gefördert.
- Trainingsgrundlage bilden die Rahmentrainingskonzeptionen bzw. eine noch zu erarbeitende methodische Leitlinie.
- 3 zentrale Trainingslager bilden Trainingshöhepunkte im Jahr und bieten die Chance, die Möglichkeiten der Teamarbeit, der Sportmedizin und Trainingssteuerung zu nutzen.
- Die inhaltliche Führung erfolgt durch die Disziplintrainer.
- Es werden 3 - 4 zentrale leistungsdiagnostische Maßnahmen zu trainingsmethodischen Schwerpunkten im Jahr durchgeführt und dazu entsprechende trainingsanalytische Fakten bereitgestellt und bewertet.
- Alle finanziellen Mittel werden nur für zentrale Verbandsmaßnahmen eingesetzt.
(3) Im Nachwuchsbereich ist eine einheitliche inhaltliche und organisatorische Führung des absehbaren Kaderkreises für die Juniorenweltmeisterschaften 1996 im Lauf und Gehen notwendig. Dafür sollten
- die Leistungs- und Trainingsmaßstäbe neu geklärt,
- der trainingsmethodische Leitfaden abgestimmt angewendet sowie eine langfristige Wettkampfplanung und motivationsfördernde Leistungsanreize gesichert,
- 2 zentrale Trainingslager im Jahr zu Trainingshöhepunkten und Teamarbeit genutzt,
- 2 zentrale komplexe Leistungsdiagnostiken mit Makrozyklus-Trainingsauswertungen eingesetzt und
- regelmäßige Trainingsberatungen zu inhaltlichen Fragen organisiert werden.
Dazu könnten Anwendungsbeispiele für einen wirkungsvollen Einsatz der wissenschaftlichen Trainingsbegleitung mit 4 - 6 Sportlerinnen/Sportler geschaffen werden. Alle finanziellen Mittel sollten für zentrale Aufgaben eingesetzt werden. In bezug auf die Trainingskonzepte im Olympiajahr behalten folgende von uns nach den WM 1993 herausgearbeiteten entwicklungsbestimmenden Schwerpunkte des Trainings ihre volle Gültigkeit, zumal sie bisher nur in Ansätzen umgesetzt werden konnten:
(1) Die Erhöhung der Leistungswirksamkeit des Jahrestrainingsaufbaus in erster
Linie abzielend auf eine entwicklungsfördernde zeitliche Struktur und inhaltliche Gestaltung von Trainings- und Wettkampfabschnitten in enger Verbindung mit einer deutlichen Steigerung der Trainingsreize gegenüber bisher bewältigten Anforderungen.
Dieser Grundsatz muß von Beginn des Trainingsjahres an gelten.
(2) Weitere Steigerung der Wirksamkeit des Grundlagenausdauer- und Kraftausdauertrainings in Verbindung mit hoher motorischer Variabilität und technischen Erfordernissen bei gezielter
Nutzung des Höhentrainings, um ein hohes Leistungsniveau besser abzusichern.
(3) Erhöhung der Belastbarkeit des Gesamtorganismus, vorwiegend durch Trainingsformen anderer Ausdauersportarten zu Beginn der Makrozyklen vor allem in den ersten 3 - 5 Wochen des Olympiajahres.
(4) Erhöhung der Wirksamkeit der Phase der wettkampfspezifischen Vorbereitung und Gestaltung der Wettkampfabschnitte einschließlich der Phase der unmittelbaren Vorbereitung auf die OS, insbesondere durch gezielte Nutzung
der Wettkämpfe und Zwischenwettkampfphasen zur Ausprägung eines hohen Leistungsniveaus und Stabilisierung der aeroben Ausdauer.
(5) Deutliche Differenzierung von hohen Belastungen und aufgabenbezogener Regeneration in den Mikro- und Mesozyklen
unter gezielter Anwendung der Erkenntnisse leistungsfördernder Ernährungs- und prophylaktischer Maßnahmen.
In den neuen Rahmentrainingskonzeptionen für 800 m, 1500 m, 5000 m, 3000 m Hindernis der Männer und der Geher, die vom Projekt Lauf/Gehen des IAT gemeinsam mit den Disziplintrainern erarbeitet wurden, sind differenzierte Lösungsvorschläge unterbreitet. Das gilt auch für die effektivere Gestaltung des langfristigen Leistungsaufbaus, zu dem im DLV-Material "Vom Anfänger zum Top-Leichtathleten" für die Lauf- und Gehdisziplinen wichtige Ansätze dargestellt sind.
Mit der komplexen Leistungsdiagnostik, den Wettkampf- und Trainingsanalysen sowie der Trainer- und Sportlerberatung, wie sie zum Beispiel die Gruppe Lauf/Gehen des IAT Leipzig mit langjährigen Erfahrungen durchführt, ist es möglich, die Trainer und Sportler bei der Umsetzung neuer, progressiver individueller Trainingskonzepte zu unterstützen und diese im Jahresverlauf auf die entscheidenden Höhepunkte gerichtet zu steuern.
© Copyright 1996 Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft. Meyer & Meyer Verlag. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Ausdauersportarten |
| Veröffentlicht in: | Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Aachen
1996
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| Online-Zugang: | https://open-archive.sport-iat.de/sponet/178084.pdf |
| Jahrgang: | 3 |
| Heft: | 1 |
| Seiten: | 46-75 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |