Ein Verfahren zur Überprüfung des Einflusses der internen mentalen Repräsentation der Technik des Brustschwimmens auf bewegungsstrukturelle Parameter der konkreten Bewegungsausführung
Problemstellung
Im motorischen Lernprozeß wird die individuelle Ausführung des Bewegungsablaufes einerseits bis zu einem bestimmten Niveau ständig verändert, andererseits führt das konkrete Üben zu einer entsprechenden Modifikation der internen Repräsentation der entsprechenden Bewegung. Mentales Training kann daher in seiner reflexiven Wirkung zu einer Rektifikation der Bewegungsfertigkeit beitragen, wenn die zu erlernende Technik bereits auf dem Niveau der Grobkoordination interiorisiert wurde. Dabei unterliegt die Beherrschung mentaler Techniken zur Optimierung sowohl der internen Repräsentationen als auch des Bewegungsablaufes selbst einem Lernprozeß.
Im Rahmen unseres Forschungsvorhabens wurde eine Methode entwickelt, von der angenommen wird, daß sie die Beantwortung folgender Fragestellungen unterstützt:
Welche mentalen Repräsentationen über den entsprechenden Bewegungsablauf sind bei den Sportlern nachweisbar?
Welche Fehlerbilder bestehen bei den mentalen Repräsentationen?
Welche Aufgaben sind dazu geeignet, fehlerhafte mentale Repräsentationen zu korrigieren?
Wie läßt sich der mentale Lernprozeß selbst überprüfen?
Welche Wirkungen veränderter mentaler Repäsentationen sind in der Bewegungs-ausführung nachweisbar?
Methodische Lösung
Die konzipierte Untersuchungsmethodik wurde zunächst für das Brustschwimmen erarbeitet, läßt sich jedoch auf jede beliebige sportliche Technik übertragen.
Für die Überprüfung des Einflusses eines mentalen Trainings auf die Verbesserung der Bewegungsausführung im Brustschwimmen steht eine spezielle Hard- und Software-Konstellation zur Verfügung, die einerseits eine Ermittlung des Niveaus der mentalen Repräsentation der Schwimmtechnik zuläßt, andererseits auf der Grundlage einer zwei- und dreidimensionalen Videoanalyse der Realbewegung die Rückwirkung der Repräsentation auf die Bewegungsausführung gestattet.
Es wurde daher im ersten Fall ein Computerprogramm entwickelt, das kognitive Aufgaben für das mentale Training des Brustschwimmens bereitstellt. Dieses Programm orientiert sich an der kognitiven Repräsentation bewegungsstrukureller Merkmale bei spezieller Berücksichtigung von Raum-Zeit-Konfigurationen der Extremitäten-bewegungen in bezug auf die Erzeugung von Vortrieb (z. Bsp. Computergestützte Bildlegeaufgaben bezüglich eigener digitalisierter Bewegungssequenzen und von optimierten Bewegungssequenzen). Mit Hilfe dieses Programmes besteht gleichzeitig die Möglichkeit den mentalen Lernprozeß zu überwachen (Analyse von fehlerhaften Repräsentationen, Korrektur der mentalen Repräsentationen).
Im zweiten Fall wurde ein sogenannter SIMI-Phaser programmiert, mit dessen Hilfe Bewegungszyklen in einzelne, mathematisch definierte Bewegungsphasen eingeteilt werden können. Dieser Phaser ermöglicht die Bereitstellung von zyklus- und phasenbezogenen Raum-Zeit-, Geschwindigkeits-Zeit-, Winkel-Zeit- und Winkelge-schwindigkeits-Zeit-Parametern in zwei- und dreidimensionaler Darstellung. Es besteht die Möglichkeit, den realen Bewegungsablauf des Sportlers zu analysieren und die digitalisierten Bewegungsabläufe für das mentale Training zur Verfügung zu stellen.
Auf Grund dieser Voraussetzungen kann eine psychologische Anforderungsanalyse sowie eine mechanisch begründete Bewegungsanalyse über mathematisch-statistische Verfahren in Beziehung gesetzt werden, so daß der Einfluß eines mentalen Trainings auf die Veränderung der Bewegungsausführung quantifizierbar ist und unter methodischem Gesichtspunkt eine bewußte Korrektur des Bewegungsablaufes im Brustschwimmen möglich wird.
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften Ausdauersportarten |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
1998
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| Online-Zugang: | http://www.tu-darmstadt.de/fb/fb3/sport/veranst/bei/bla_koe.htm |
| Dokumentenarten: | Kongressband, Tagungsbericht |
| Level: | hoch |