Sportbindung und Sportsucht im Ausdauersport. Theorie, Diagnostik, Empirie
Sport ist eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen vieler Menschen und besonders Ausdauersport wird gern als Ausgleich beispielsweise für die ausgeprägte sitzende Tätigkeit und Bewegungsmangel im Beruf praktiziert. Das bestätigen unter anderem die hohen Teilnehmerzahlen der vielen Lauf-, Skilanglauf- oder Triathlonveranstaltungen. Viele Menschen betreiben den Ausdauersport rein als Hobby, um sich aktiv an der frischen Luft zu bewegen, andere wiederum verfolgen durchaus ambitionierte sportliche Ziele beim Ausüben ihres Sports. Das alles ist "normal" und gesund und dient dem körperlichen und geistigen Wohlbefinden. Aber immer wieder geraten gerade Freizeitsportler in eine Sportabhängigkeit, werden sportsüchtig. Das ist ein Maß, in dem Sport dann nicht mehr gesund ist, sondern das regemäßige Sporttreiben in ein "zu viel des Guten" umgeschlagen ist und zum regelrechten Zwang wird. Häufig nehmen die Trainingsumfänge dann so zu, dass der Sport den gesamten Aufmerksamkeitsfokus und das gesamte Zeitbudget des Athleten einnimmt und alles andere in den Hintergrund rückt oder bedeutungslos wird.
Dieses nicht seltene Phänomen ist der Betrachtungsgegenstand dieses Buches, das gleichzeitig die Dissertation der Autorin repräsentiert. Es wird ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand zum Thema gegeben und versucht, mittels des Sucht-Bindungs-Models die "Entstehung und aufrechterhaltenden Bedingungen einer Sportsucht nachzuvollziehen und aufzuzeigen".
Arbeit und Buch wurden dazu in drei Teile gegliedert - Theorie, Diagnostik und Empirie.
Der erste Teil wendet sich der Problematik von der Theorieseite her zu. So werden verschiedene Arten von Sportsucht unterschieden, sie werden psychischen Störungen zugeordnet. Bisher existierende Modellannahmen zur Entstehung einer Sportsucht werden ebenso erläutert wie die Symptome oder verfügbare Messinstrumente zur Diagnostik einer Sportsucht.
Im zweiten Teil steht die Diagnostik im Fokus, wobei insbesondere der "Fragebogen zur Erfassung des Sportverhaltens von Ausdauersportlern" (FESA) im Fokus steht, ein "deutschsprachiges Messinstrument zur Erfassung einer vorliegenden Sportbindung, Sportfokussierung oder Sportsuchtgefährdung bei Ausdauersportlern", der in dieser Arbeit validiert wird.
Im dritten Teil wird die Entwicklung des Sucht-Bindungs-Modells dargelegt, das empirisch überprüft wird. Das Modell stellt eine Weiterentwicklung eines bereits existierenden Modells zur Lauf- und Ausdauersucht dar. Neu ist vor allem das Konstrukt der Sportfokussierung, dass zur Differenzierung zwischen sportsuchtgefährdeten Sportlern und ambitionierten zielfokussierten Athleten eingeführt wurde. Die hier dargestellten Ergebnisse basieren auf einer Querschnittsstudie mit 317 Untersuchungsteilnehmern und einer Längsschnittstudie mit acht Messzeitpunkten über 12 Monate.
Zusammenfassend wird die Sportsucht beschrieben als "ein mehrdimensionales, schädliches sportliches Verhalten, das zu einer klinisch signifikanten Beeinträchtigung und zu Stress führt". Sportsucht wurde als "multikausales" und "aufgrund seiner Vielschichtigkeit schwer zu erfassendes" Phänomen aufgeklärt. Das Buch grenzt diese Sportsucht aber auch von anderen süchtigen Verhaltensweisen ab, die beispielsweise als Symptome anderer psychischer Krankheiten auftreten. Noch nicht bis zum Ende gelangt diese Arbeit - wie viele andere - mit der Problematik einer einheitlichen eigenen Definition der primären Sportsucht, die weiterhin als Forschungsziel bestehen bleibt.
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| Subjects: | |
|---|---|
| Notations: | endurance sports social sciences |
| Language: | German |
| Published: |
Hamburg
Verlag Dr. Kovac
2015
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| Series: | Schriften zur Sportpsychologie, 15 |
| Pages: | 174 |
| Document types: | book |
| Level: | advanced |