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Creative Coaching, part 2

Gedanken zur aktuellen Situation sowie den Erfordernissen und Perspektiven in einem professionellen (australischen) Schwimmsport. Heute geht man von nur drei Hauptwettkämpfen im Jahr aus: Den Meisterschaften der einzelnen Staaten Australiens, den Landesmeisterschaften sowie dem jeweiligen Jahreshöhepunkt. Die beiden erstgenannten Wettkämpfe finden im Sommer innerhalb von drei Monaten statt. Dann folgt eine Pause von 6 Monaten bis zum internationalen Höhepunkt der Nationalmannschaft. Andere Wettkämpfe können auch wichtig, jedoch nicht von dieser Bedeutung sein. Die "Pausen" zwischen diesen drei Hauptwettkämpfen dienen entweder der Erholung oder Wiederherstellung oder dem Aufbau. Der moderne Sportler hat heute nur geringe Erholungsphasen und der ehrgeizige geringe Aufbauphasen. Das heißt, diese Sportler befinden sich fast das gesamte Jahr über im vollen Training. Und so muss es auch sein, wenn ein Sportler Spitzenleistungen anstrebt. Für lange Pausen ist kein Platz, denn danach befindet sich ein Schwimmer jedes Mal in einer Situation fast wie bei einem Comeback nach einem Rücktritt. Nur wenige Ausnahmen hatten mit solchem Vorgehen Glück und Erfolg, die meisten solcher Versuche schlugen fehl. Mit dieser Realität muss ein Schwimmer leben, lange Pausen vom ernsthaften Schwimmen sind nicht möglich. Zwei Wochen Pause sind der Kondition des Schwimmers noch nicht abträglich - wenn er auch in dieser Zeit den Wasserkontakt hält. Es reichen hierfür einige Kilometer pro Tag, was keine Belastung für einen trainierten Schwimmer darstellt. Nach zwei Wochen völliger Trainingsabstinenz sinkt das konditionelle Leistungsvermögen rapide ab, besonders bei den Schwimmern, die umfangsorientierte Trainingsprogramme absolvieren. Der Wiederaufbau danach wäre nicht nur sehr hart, sondern dauert auch lange. Für die Schwimmer, die nicht das Nationalmannschaftsniveau (mit dem Höhepunkt im Winter) haben, ist es wichtig, ihr normales Training über den Winter hinweg fortzusetzen. Im Winter wird mit einem soliden Training die Grundlage für Erfolge im Sommer gelegt. Die Pause sollte nur so lange ausgedehnt werden, dass ausreichend neue Motivation aufgebaut werden kann, d.h. nur einige wenige Wochen. Nach ähnlichen Trainingsplänen arbeiten Weltklassesportlerer anderer Sportarten; Triathleten beispielsweise unterbrechen ihr Training im Prinzip nur dann, wenn es verletzungsbedingt erforderlich ist. Wettkämpfe Verglichen mit den Wettkampfprogrammen der Leichtathleten, Radsportler oder Tennissspieler haben die Schwimmer ein erhebliches Wettkampf-Defizit. Viele leben in dem Glauben, dass viele Wettkämpfe innerhalb kürzerer Zeit ungünstige Auswirkungen haben. Jedoch: Das Gegenteil ist der Fall! Je mehr Wettkämpfe bestritten werden, desto stärker wird die Wettkampfschnelligkeit geschult (vorausgesetzt ausreichend Wiederherstellung zwischendurch). Viele glauben auch, dass Wettkämpfe zu einem frühen Zeitpunkt im Trainingsjahr den Gesamttrainingsaufbau stören könnten. Es gibt jedoch keinen Grund, diese Wettkämpfe auszulassen! Egal, ob ein Schwimmer umfangs- oder intensitätsorientiert trainiert - sie sind zu schnellen Wettkampfzeiten in der Lage. Leichte Veränderungen im Training sind lediglich am letzten Tag vor dem Wettkampf oder in den letzten beiden Tagen erforderlich. Die Schnelligkeit/Intensität sollte dann zurückgenommen, der Umfang jedoch beibehalten werden. Der Wettkampf kann dann als der intensive Teil des Trainings betrachtet werden. Durch gute Zeiten in diesen Wettkämpfen bekommen die Sportler auch neue Motivation, wieder ihr hartes Training fortzusetzen, da sie sehen, der Weg ist richtig und erfolgreich. Verf. ist der Meinung, es müssen mehr Wettkämpfe in den WK-Kalender aufgenommen werden (in Australien). Zwar verursache dies verstärkte Kosten, die Gelder für diese Wettkämpfe aufzubringen sollte jedoch hohe Priorität haben. Auch sollte den Sportlern und Trainern ein "Ausgleich" (Aufwandsentschädigung) gezahlt werden. Eine gute Sache sind Grand-Prix-Wettkämpfe im Winter. Eine ähnliche Serie im Sommer mit Sponsoren und TV-Übertragungen würde eine Beteiligung der Top-Schwimmer sichern. Was auch für die mit den Spitzenathleten gemeinsam startenden Noch-nicht-Top-Schwimmer gut wäre. Dies sollte der Weg der Zukunft sein, ist sich Verf. sicher. Die regelmäßige Teilnahme an Wettkämpfen muss für Schwimmer und Trainer selbstverständlich werden. Training Die zunehmende Professionalisierung im Sport erfordert dies auch im Training. Ganzjahrestraining (mit den entsprechenden Erholungs- und Wiederherstellungsphasen) gewährleistet, dass der Sportler rund um das Jahr fit ist. Eine Möglichkeit von Veränderungen im Training sind längere Trainingseinheiten, z.B. 8-10 Stunden am Stück an drei Tagen hintereinander mit anschließend einem kompletten Erholungstag. Eine solche Trainingsmethodik verspricht mehr Erfolg als die jetztübliche. Die jetzige Trainingsplanung wird meist durch Schul-, Ausbildungs- oder berufliche Verpflichtungen bestimmt, eine echte Professionalität erfordert jedoch ein anderes Vorgehen. Längere Trainingseinheiten würden für den Sportler kein Problem darstellen (eher für den Trainer). Nicht das gesamte Training einer solchen Dauereinheit würde im Wasser stattfinden, auch Ruhephase sind eingebaut, z.B. für Massage oder Physiotherapie. Verf. glaubt, dass der heute gebräuchliche zeitliche Rahmen des Trainings nicht ausreichend ist, um zukünftig Spitzenleistungen zu erreichen. Langstrecke Australien hatte immer wieder erfolgreiche Langstreckenschwimmer und -schwimmerinnen. Dies ist auf das von Carlile und Cotton in den 50er Jahren eingeführte und von anderen modifizierte Ausdauertrainingsprogramm zurückzuführen. Es gibt eine lange Liste erfolgreicher Trainer-Sportler-Gespanne auf den Langstrecken im Schwimmen. Die Spitze des Erfolgs repräsentieren dabei Carew-Perkins. Carew ließ in seinen Programmen von anderen nie erreichte Umfänge realisieren. Perkins hat mit seinen Umfängen völlig neue Standards gesetzt. Dazu kam wissenschaftliche Unterstützung im Training des Gespanns. Beispiel für diese Außergewöhnlichkeit ist der 400-m-Freistil-Weltrekord, den Perkins als Langstreckler in Rom aufstellte. Die Art und Weise, wie er ihn schwamm, ließ diese lange Mittelstrecke im Lichte eines Sprints erscheinen. Was unterscheidet sein Training von dem anderer? Vor allem die Ausgewogenheit und eine ausreichende Wiederherstellung zwischen den Sets. Das Training erhält außerdem eine Sprintkomponente (eine ziemlich ausgeprägte Komponente und nicht die verbreiteten ultrakurzen Sprints). Das Sprinttraining von Perkins bestand z.B. aus 20 x 50 m Freistil (mit Beachtung der jeweiligen 25-m-Zeit). Hier liegt die Ursache dafür, dass er so lange (400 m, 1500 m) so schnell schwimmt. Herzfrequenz-Sets sind nicht riesig, aber solide: ausreichend für eine ständige Entwicklung. Viele glauben, Perkins sei ein außergewöhnlicher Schwimmer. Vom Biologischen her stimmt das teilweise, außergewöhnlich ist er jedoch vor allem in seinem Training! Sein Training sollte jedoch der Maßstab für das Langstreckentraining der Zukunft sein. Carew hat einen Maßstab vorgelegt, es ist jetzt an den Wissenschaftlern, diesen zu bewerten und zu optimieren. Vor allem sollten sie die schnellen Parts in diesem Training und deren Auswirkungen auf die Schnelligkeitsausdauer untersuchen. Sprint Es gibt wenig Hilfe auf diesem Gebiet in Australien. Der "Rest der Welt" hat auf den Kurzstrecken die Australier weit zurückgelassen. Man will nicht denselben verwerflichen Weg gehen wie die Chinesen, aber man benötigt Hilfe und Informationen, um einen Durchbruch zur Weltklasse zu schaffen. Die jungen Leute sind vorhanden, sie wenden sich jedoch anderen, meist mit weniger harten Anforderungen verbundenen Sportarten zu. Die zur Zeit aktiven Sprinter bringen alle die optimalen körperbaulichen Voraussetzungen mit, sie sind groß, schlank, beweglich, verfügen über lange Muskeln und schnell kontrahierende Muskelfasern. Aber sie bringen keine internationalen Spitzenleistungen zustande. Wo liegen die Fehler im Training? Wo sind andere Ursachen? Absolvieren sie genügend Schnelligkeitstraining in ihren Ausdauerprogrammen? Ist Carews Programm die Lösung? Während es bei den Frauen nach oben geht, stagnieren die Männer und man rätselt seit Jahren nach den Ursachen. Und die Sportwissenschaftler scheinen unfähig zu sein, eine Lösung zu finden. Denn: Veränderungen sind notwendig; wenn man nicht vom Althergebrachten abweicht, wird es zu keinen großen Leistungssprüngen kommen, sondern die Entwicklung wie im Moment weiter nur im Schneckentempo vorangehen.
© Copyright 1997 American Swimming Magazine. ASCA. All rights reserved.

Bibliographic Details
Subjects:
Notations:social sciences training science endurance sports
Published in:American Swimming Magazine
Language:English
Published: Fort Lauderdale 1997
Issue:1
Pages:17; 33-34
Document types:article
Level:advanced intermediate