Elite swimmers and altitude training
(Spitzenschwimmmer und Höhentraining)
Überblicksartikel über Forschungsergebnisse zum Höhentraining für Schwimmer und Ausdauersportler.
Zusammenfassung:
Verf. vertreten die Auffassung, daß Höhentraining keinen fördernden Einfluß auf die Leistung auf Meeresspiegelhöhe hat! Wenn eine vollständige Höhenanpassung eintreten würde, wäre es nicht möglich, mit den für die Aufrechterhaltung eines hohen Leistungsniveaus entsprechend erforderlichen Trainingsumfängen und -intensitäten zu trainieren.
Obwohl es viele Untersuchungen zum Thema Höhentraining gibt, führen diejenigen, die präzise durchgeführt wurden, zu der Schlußfolgerung, daß Höhentraining kein Weg zur Steigerung der Leistungsfähigkeit hochtrainierter Schwimmer auf Meeresspiegelhöhe ist! Die gängige Praxis, Höhentrainingslager für Spitzenschwimmer durchzuführen, ist weder aus physiologischer Sicht noch mit Blick auf Leistungsverbesserungen gerechtfertigt!!!
(Bisher durchgeführte Studien mit anderslautenden Schlußfolgerungen unterlagen nach Auffassung der Verf. meist unpräzisen Untersuchungs- oder fehlenden Vergleichsbedingungen.)
Nach Höhentrainingsaufenthalten erzielte Leistungsverbesserungen auf Meeresspiegelhöhe sind demzufolge nicht auf Höhenanpassungen zurückzuführen sondern vielmehr dadurch zu erklären, daß Schwimmer häufig ermüdet oder für weniger als einen Monat in die Höhe gehen, und deshalb die Belastung reduziert und die gesamten Lebensumstände erleichtert werden, so daß ein unbeabsichtigter Tapering-Effekt eintritt. Nach Rückkehr auf Meeresspiegelhöhe sind diese Sportler dann lediglich ausgeruhter, was zu Leistungsverbesserungen führt. Diese hätten jedoch auch erreicht werden können, wenn auf Meeresspiegelhöhe die Gesamtbelastung für den Sportler reduziert worden wäre.
Bei einem ausreichend langen Aufenthalt in der Höhe wird schließlich eine maximale Akklimatisierung der aeroben Funktion eintreten, dennoch wird die Sauerstoffleistung in der Höhe immer unter der auf Meeresspiegelhöhe liegen, sofern es vor dem Höhentraining eine volle Ausprägung der aeroben Leistungsfähigkeit gab.
Die als Argumentation für das Höhentraining ins Feld geführten Argumente verbesserter physiologischer Reaktionen (verbesserter Sauerstofftransport) treffen nur für Höhen über 3000m zu. Dort allerdings ist es nicht mehr möglich, mit den notwendigen Umfängen und Intesnitäten zu trainieren, die auf Meeresspiegelhöhe absolviert würden. Aufenthalte in geringeren Höhen führen nichtzu diesen physiologischen reaktionen und können daher keine Rechtfertigung für Höhentraining liefern.
Außerdem sind die Höhentrainingsaufenthalte für wirkliche Leistungssteigerungen zu kurz (es wären mindestens 5 Wochen erforderlich, um die Umstellungsprobleme und Trainingsabstriche in der Umstellungszeit nicht nur zu kompensieren, sondern die Leistungsfähigkeit tatsächlich zu steigern).
In der Höhe erfolgt eine verstärkte Anaerobiosis aufgrund ver minderter aerober Energiemöglichkeiten. Daß dies positive Auswirkungen auf die anaerobe Leistungsfähigkeit hat ist nur Spekulation, da tiefergehende Untersuchungen dazu fehlen.
Außerdem kann diese Veränderung der Proportionen bei der Energiebereitstellung zur Veränderung der neuromuskulären Mu- ster führen (z.B. durch die Einbeziehung glykolytischer Muskelfasern). Die Stimulation veränderter muskulärer Muster könnte bei hochtrainierten Athleten mit ausgeprägten Bewegungsabläufen zur Verringerung der Effektivität des Bewegungsvollzugs führen, was in Sportarten mit einer hohen Wertigkeit der Bewegungsabläufe Leistungsminderungen zur Folge hätte.
Besonders im Schwimmen gilt es jedoch, Stimulierungen der glykolytischen Aktivität über das maximale Laktat-Steady-State hinaus zu vermeiden, weshalb höhentrainingsinduzierte Verän- derunngen eher kontraproduktiv für die Leistung auf Meeressiegelhöhe wirken.
Studien, die aufgrund ihrer Ergebnisse Höhentraining befürworten, haben häufig Mängel in folgenden Punkten:
a) Es werden nur ausgewählte Variable kontrolliert, einige und Umfeld- und Trainingseinflüsse werden als mögliche positive Wirkfaktoren gar nicht in Betracht gezogen (z.B. Leistungsverbesserungen in der Höhe durch verbesserte allgemeine Konditionierung).
b) Kontrollgruppen fehlen oder sind nicht vergleichbar.
c) Probandengrupppen sind zu klein, intraindividuelle Untersuchungen fehlen.
d) Es wurde nicht berücksichtigt, daß das Höhentraining mit vermindertem Umfang und erhöhter Intensität (d.h. spezifischer) erfolgte als es meist auf n.N. geschieht.
Vorübergehende positive Effekte des Höhentrainings lasen sich sehr einfach erklären, sind dabei jedoch keine Argumente für ein Höhentraining:
a) Bei Sportlern mit zu niedrigen Hb-Werten erhöhen sich diese bei Aufenthalten von mehr als drei Wochen. Bei Sportlern mit bereits hohen Hb-Werten erhöhen sich diese in der Höhe weiter, es wird eine Blutviskosität erreicht, die den adäquaten Blutfluß negativ beeinflußt.
b)Auf Sportler mit Grenzwerten im Eisenstatus wirkt sich der Höhenaufenthalt aufgrund einer beschleunigten Produktion der roten Blutkörperchen in den ersten Tagen negativ aus, da die Eisenspeicher weiter geleert werden. Verstärkt durch Appetitsverlust in der Höhe kann dies zu bedenklichen Eisen- defiziten führen.
Untersuchungen zum VO2 als Parameter pro das Höhentraining sind teilweise ebenfalls zweifelhaft, da die Ergebnisse keinen generellen Trend der Akklimatisierung erkennen lassen und kein Zusamenhang zwischen physiologischen Reaktionen und Leistung nachgewiesen werden konnte.
Auch die Erfolge der keniatischen Läufer sind keine Erklärung pro das Höhentraining. Saltin z.B. wies als Erfolgsursachen der Keniaten aus: die hohe Quantität an Laufen und Bewegung allgemein, die hohe Motivation für sportliche Erfolge, die gesunde Ernährung mit eiweiß- und kohlenhydratreicher Kost. Es hat sich außerem gezeigt, daß die hohe Leistungsfähigkeit der keniatischen Läufer während längerer Aufenthalte auf n.N. (z.B. während längerer Grand-Prix-Serien) nicht abnimmt.
Zur Alternative: Living high-train low (Höhenhaus)
Zu dieser möglichen Alternative wurden insbesondere von finnischen Wissenschaftlern verschiedene Untersuchungen durchgeführt, allerdings weisen diese ebenfalls o.g. Defizite im Untersuchungsdesign auf. Es scheinen sich die selben Untersuchungsfehler zu wiederholen wie bei den Studien zur Akklimatisierung in der Höhe, Insbesondere mangelte es an entsprechenden Vergleichsgruppen, so daß die Qualität der Untersuchungen und die Ergebnisse anzuzweifeln sind.
© Copyright 1997 Swimming Science Bulletin, 14. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin Ausdauersportarten |
| Veröffentlicht in: | Swimming Science Bulletin, 14 |
| Sprache: | Englisch |
| Veröffentlicht: |
1997
|
| Online-Zugang: | https://coachsci.sdsu.edu/swim/bullets/acclim14.htm |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |