Belastungsinduzierte Leistungsmerkmale bei Juniorenleistungsradrennfahrern: Implikationen auf die muskuläre und physiologische Anpassung im Verlauf einer Wettkampfperiode
(Exercise induced performance characteristics in junior male competitive national level road cyclists: implications for muscular and physiological adaptation during the course of the competition period)
Die Trainingssteuerung wird aus den funktionellen Anforderungen der Leistungsstruktur abgeleitet. Nach traditionellem Belastungsmuster findet im Strassenradrennsport noch häufig ein stark umfangsorientiertes extensives Ausdauertraining zu Gunsten des langsam zuckenden, oxidativ arbeitenden Muskelfasertyps (MFT) I statt. Die Rolle belastungsabhängiger Reize auf die schnell zuckenden Fasertypen (MFT IIA und MFT IIX) im Ausdauersport wurde in der Literatur vernachlässigt.
Daher war das Ziel der Untersuchung ein praxisnahes Monitoring der Skelettmuskelplastizität und Leistungsfähigkeit bei Junioren-Leistungs-Radrennfahrern im Verlauf der Wettkampfperiode. Genauer sollte eine belastungsabhängige Phänotypanpassung aller Muskelfasertypen unter realen Bedingungen untersucht werden, um ein besseres Verständnis von ausdauerinduzierten Reiz-Anpassungs-Mechanismen zu bekommen. An der Untersuchung nahmen zehn Junioren-Leistungs-Radrennsportler teil. Für das Monitoring wurden jeweils zu Beginn (Februar) und zum Ende (Oktober) der Wettkampfperiode eine Fahrradspiroergometrie sowie eine Muskelbiopsie durchgeführt. Im Stufentest konnte mittels spiroergometrischer Messung eine signifikante Zunahme der VO2 peak gezeigt werden (p < 0.05), hingegen gab es keine Veränderung im maximalen Power Output. Folglich kam es zu einer stärkeren Zunahme des Energieumsatzes bei gleicher erbrachter Leistung. Aus Biopsien gewonnenes Gewebe des Musculus vastus lateralis wurde mittels histochemischen Aktivitätsnachweis der myofibrillaren Adenosintriphosphatase gefärbt und die Fasertypen I, IIA und IIX charakterisiert. Die Analyse der Phänotypbestimmung zeigte eine langsam-zu-schnell Fasertransformation. Die immunhistochemische analysierte Abnahme von Calcineurin B bestätigt (p < 0.0001) einen langsam-zu-schnell Fasershift. Die illustrierte Zunahme des Energieumsatzes könnte durch den metabolischen Umsatz der modulierten Fasertypen induziert worden sein. Auffällig war die sehr homogene Anpassung der IIX Fasern, welche bis auf zwei gegenläufige Ausreiser durch eine Zunahme charakterisiert wurde. Ein Vergleich der durchschnittlichen wochentlichen Belastungszeit zwischen TP und WP zeigte, dass jene Probanden mit einer Ratio TP/WP > 1.0 eine Abnahme von IIX Fasern aufwiesen. Mit Ausnahme von zwei Probanden (TP/WP 1.08 und 1.16) lag für alle anderen Probanden eine Ratio TP/WP < 1.0 und gleichzeitig eine Zunahme an MFT IIX vor. Im Verlauf der Wettkampfsaison bei Junioren-Leistungs-Radrennsportlern war beim Wechsel von einem umfangsorientierten extensiven Ausdauertraining zu einem belastungsorientierten intensiven Ausdauertraining eine langsam-zu-schnell Phänotyptransformation zu beobachten. Es konnte gezeigt werden, dass es in einer Ausdauersportart (Langzeitausdauer) zu einer deutlichen belastungsabhängigen Plastizität der schnell zuckenden Fasern kommen kann. Ein solches Phänotypmuster konnte bisher in ähnlicher Weise bei gezieltem Krafttraining, Immobilisation, bzw. stark verminderter Aktivität oder im Alternsgang gezeigt werden.
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| Subjects: | |
|---|---|
| Notations: | endurance sports training science biological and medical sciences |
| Published in: | momentum e-journal |
| Language: | German |
| Published: |
Köln
2010
|
| Online Access: | http://www.dshs-koeln.de/tws/momentum_intern/ejournal/articles/Frese_Radrennfahrer_D_2010.pdf |
| Volume: | 1 |
| Issue: | 1 |
| Pages: | 1-23 |
| Document types: | article |
| Level: | advanced |