Modell eines differenziellen Ansatzes für die Sportart Tennis
Beim Ansatz des differenziellen Lernens wird von der traditionellen Annahme ausgegangen, dass eine Bewegung vorprogrammiert ist und eine zentrale Instanz im Gehirn die Ausführung koordiniert. Technikleitbilder wurden u.a. damit begründet. Darauf aufbauende Trainingskonzepte implizieren, dass Leistungssteigerungen zu einem großen Teil das Ergebnis hoher Wiederholungszahlen sind. Der Variabilität bei der Bewegungsausführung wird eher eine untergeordnete Bedeutung beigemessen. Der Ansatz kann jedoch keine Erklärung liefern, warum z.B. der Wechsel von einer Technik zur anderen mit einer instabilen Phase einher geht. Bei einem festgelegten Programm müsste eine sofortige Umschaltung möglich sein. Die in diesen Ausführungen favorisierte Betrachtungsweise, der differenzielle Ansatz, hat ein anderes Verständnis von den Vorstellungen eines Techniktrainings. Mit Hilfe der Synergetik kann das oben beschriebene Phänomen, warum jemand bei einem Wechsel von einer in die andere Technik eine`instabile` Phase aufweist, erklärt werden. Um von einem stabilen Zustand in einen andern übergehen zu können, muss eine instabile Phase überwunden werden (vgl. Fingerexperiment). Weiterhin spricht für diesen Ansatz, dass es sehr unwahrscheinlich ist, selbst einfache Bewegungen ohne Schwankungen auszuführen. Da diese Schwankungen oder Fehler in allen biologischen Systemen zu beachten sind, kann man sie als Voraussetzung für lernende Systeme ansehen (vgl. SCHÖLLHORN 2001, 7). Training oder auch Technik sollten deshalb im Sinne des differenziellen Lernens als weit gefasster Lösungsraum betrachtet werden, innerhalb dessen sich ein Athlet `selbstregulativ` einstellt. Durch Variabilität im Lernprozess werden Instabilitäten, die für das motorische Lernen notwendig sind, provoziert und die Selbstorganisation initiiert. Aufgrund der bisherigen Ausführungen über diesen Ansatz muss das Problem von Technikleitbildern in Frage gestellt werden, weil ein Athlet nie zweimal die gleiche Bewegung ausführt und darüber hinaus Nachwuchsathleten heute Techniken lernen, die in dem Augenblick, wenn sie zu Höchsleistungen fähig sind, oft nicht mehr aktuell sind. Um die o.g. Erkenntnisse für die Lehrpraxis im Tennis zu nutzen dient als Orientierungshilfe ein für den Snowboardsport entwickeltes Modell von Burger/Ott. Der Ansatz geht davon aus, dass eine Ordnung (hier Kurvenfahren) in komplexen Systemen sich durch wenige Ordnungsparameter beschreiben lässt. Der Übergang zwischen stabilen Zuständen eines Systems wird durch Kontrollparameter (hier Aktionen, Schneebeschaffenheit, Hanglage und Material) bewirkt.
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Spielsportarten |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
2003
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| Online-Zugang: | http://www.sport.uni-mainz.de/Ronald/dvs2003-diff.pdf |
| Dokumentenarten: | elektronische Publikation |
| Level: | hoch |