Kardiale Regulation von Weltklasse-Tennisspielern und Überbeanspruchungsrisiko in der Vorbereitungsphase
Einleitung:
Im Profitennis gestattet lediglich die Vorbereitungsperiod am Jahresende die Möglichkeit zur systematischen Entwicklung konditioneller Fähigkeiten. Folglich ist dort der Registrierung von Anzeichen der Überbeanspruchung infolge der hohen Trainingsdichte und - intensität von besonderer Relevanz. Seit einigen Jahren wird der Herzfrequenzvariabilität (HRV) als indirektem Maß vegetativer Zustandsänderungen zunehmend Bedeutung beigemessen (Uusitalo et al. 2000). Die vorliegende Fallstudie skizziert erstmals Veränderungen der HRV in Relation zu maximaler Sauerstoffaufnahme (VO2max) und klassischen Labormarkern in der Vorbereitungsphase dreier Weltranglistenspieler.
Methodik:
Untersucht wurden in der vorliegenden Fallstudie 3 gesunde, männliche Profi-Tennisspieler, jeweils exemplarisch für Top 10, Top 100 und Top 1000 Niveau (26-28 Jahre; BMI 21,8-23,8 kg/m2, 7-10 Jahre ATP Tour-Erfahrung). Schwerpunkte des individuell angepassten Trainings lagen in der Verbesserung allgemeiner Ausdauerleistungsfähigkeit und spezifischer Schnelligkeitsausdauer sowie der Kräftigung und Stabilisation lokaler und globaler Muskelgruppen zur Leistungssteigerung und Verletzungsprophylaxe. Harnstoff als Labormarker, VO2max und Kurzzeit-EKGAufzeichnungen (VarCor PF5) wurden zu Beginn und im Anschluss an die 5wöchige Trainingsperiode erhoben. Zur HRV-Auswertung kamen Zeit- (RMSSD) und Frequenzparameter (TP 0.04 - 0.40 Hz).
Ergebnisse:
Abbildung 1 zeigt Veränderungen von VO2max und HRV vor und nach dem Training. Die Harnstoffkonzentration stieg um 37, 48 und 4% an (Top 10, Top
100 und Top 1000 Spieler).
Diskussion:
Die longitudinale Beobachtungsreihe zeigt eine im Trainingsverlauf reduzierte Gesamtvariabilität (TP) mit gleichzeitigem Rückgang der RMSSD als Indikator veränderter vagaler Regulationsleistung. Vor dem Hintergrund höherer absoluter Trainingsumfänge und -intensitäten, die vom Top 100 und vom Top 10 Spieler aufgrund des guten bis exzellenten Ausgangsniveaus der VO2max realisiert wurden, ist dies als Ausdruck hoher psycho-physischer Belastung im Sinne eines Überlastungsindikators interpretierbar. Die Anzeichen eines Overreaching werden gestützt durch die Labordiagnose. Weitere standardisierte Längsschnittbeobachtungen sind erforderlich, um das Potenzial der HRV im Rahmen der individuellen Trainingssteuerung nutzbar zu machen.
© Copyright 2009 Herzfrequenzvariabilität: Risikodiagnostik, Stressanalyse, Belastungssteuerung. Internationales Symposium am 1. November 2008 in Halle (Saale). Veröffentlicht von Czwalina. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin Spielsportarten |
| Veröffentlicht in: | Herzfrequenzvariabilität: Risikodiagnostik, Stressanalyse, Belastungssteuerung. Internationales Symposium am 1. November 2008 in Halle (Saale) |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hamburg
Czwalina
2009
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| Schriftenreihe: | Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, 192 |
| Seiten: | 104-109 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |