Muskelleistungsdiagnostik im Skispringen
(Muscle performance diagnostics in ski jumping)
Spezifische Kraftfähigkeiten erlangen im Hochleistungssport eine immer größere Bedeutung. Während z. B. im alpinen Skisport vor einigen Jahren mangelndes Kraftpotenzial noch durch hohes technisches Können kompensiert werden konnte, ist dies aufgrund der Entwicklung im Materialsektor (Carvingski etc.) heute kaum mehr möglich. Auch klassische Ausdauersportarten, wie z. B. das Rudern, schöpfen die Möglichkeiten der Leistungssteigerung über eine Verbesserung der Energieversorgung immer weiter aus, sodass eine individuelle Optimierung der Kraftfähigkeiten notwendig wird. In Spielsportarten werden durch das zunehmende Tempo immer schnellere Richtungsänderungen, Starts und härtere Körperkontakte verlangt, wodurch ebenfalls Kraftfähigkeiten zum limitierenden Faktor werden.
Bedingt durch eine verbesserte Leistungsfähigkeit der Sportler und durch technologische Entwicklungen, werden Spitzenleistungen im Skispringen mit zunehmend geringerer Anlaufgeschwindigkeit erreicht. Dadurch ist nicht nur das schnelle Erzielen einer aerodynamisch günstigen Flugposition ausreichend, sondern ebenso eine große Absprungdynamik am Schanzentisch, wofür eine hohe spezifische (Schnell-)Kraft bei optimalem Kraft-Last-Verhältnis Voraussetzung ist. Um dieser steigenden Bedeutung Rechnung zu tragen, müssen Wege und Methoden gesucht werden, die eine zunehmende Anhebung des Kraftpotenzials unter Berücksichtigung sportartspezifischer Anforderungen sowie individueller Fertigkeiten ermöglichen. Eine Steigerung der Trainingsquantität ist kaum mehr möglich; vielmehr muss die Qualität des Trainings sowie die Effizienz von Trainingsmaßnahmen optimiert werden.
Leistungstraining unterscheidet sich vom Training im Maximalkraftbereich nicht nur durch die Zielsetzung, sondern auch durch die Aufgabenstellung. Bei Trainingsformen im Maximalkraftbereich muss eine submaximale Last (75-85 % des individuellen Maximums) möglichst oft (Hypertrophietraining) oder eine möglichst hohe Last mit geringer Wiederholungszahl (Maximalkrafttraining) bewältigt werden. Maximalkrafttraining wird im Wesentlichen durch Lasten und Wiederholungszahlen gesteuert. Die Aufgabenstellung beim Leistungstraining ist das Erbringen einer möglichst hohen Leistung mit einer bestimmten Last und in einer vorgegebenen Aktionsform. Im Leistungstraining wird die Optimierung der komplexen Bewegungsdynamik gefordert. Im physiologischen Modell fordern maximale Leistungen eine maximale neuromuskuläre Aktivierung. Die subjektive Kontrolle maximaler Leistungen ist wesentlich schwieriger als die Kontrolle von Lasten oder Wiederholungszahlen. Im Leistungstraining ist es daher erforderlich, das subjektive Empfinden zu "kalibrieren", was über Feedbacksysteme möglich ist.
© Copyright 2020 Kräftiger, schneller, ausdauernder - Entwicklung der muskulären Leistung im Hochleistungstraining: Tagungsband zum gleichnamigen Spitzensport-Symposium am 21./22. Mai 2019 in Leipzig. Published by Meyer & Meyer. All rights reserved.
| Subjects: | |
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| Notations: | training science technical sports strength and speed sports |
| Published in: | Kräftiger, schneller, ausdauernder - Entwicklung der muskulären Leistung im Hochleistungstraining: Tagungsband zum gleichnamigen Spitzensport-Symposium am 21./22. Mai 2019 in Leipzig |
| Language: | German |
| Published: |
Aachen
Meyer & Meyer
2020
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| Series: | Schriftenreihe für Angewandte Trainingswissenschaft, 15 |
| Online Access: | https://open-archive.sport-iat.de/sponet/SR_2020_15_Petrat_Muskelleistungsdiagnostik_77.pdf |
| Pages: | 77-85 |
| Document types: | article |
| Level: | advanced |