Biomechanische Diagnostik im Rennboot zur Mannschaftssynchronisation im Hochleistungstraining und Handicap
Die biomechanische Betreuung durch die Universität Hamburg hat sich in den vergangenen Trainingsjahren aus Sicht des DRV mehr als bewährt und ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil für die Entwicklung leistungsfähiger Bootsklassen geworden. Die Ergebnisse unterstützen den Trainingsprozess und eröffnen neue Möglichkeiten zur Ansteuerung der Rudertechnik. Der biomechanisch-trainingswissenschaftliche Hintergrund dieser Entwicklungen stimmt mit internationalen Erkenntnissen überein und basiert maßgeblich auf Forschungsergebnissen, die im Rahmen von Forschungsprojekten an der Universität Hamburg generiert worden sind. Die Entwicklungen wurden in der Trainingspraxis erprobt und die Wirkung evaluiert. Das MMS 2012 ermöglicht die unmittelbare Erfassung der individuellen Ruderleistung und -technik der Athletinnen und Athleten im Rennboot, in allen Bootsklassen und unter allen typischen Wettkampf- und Trainingsbedingungen, wie beispielsweise das Messen von Achterbesatzungen bei internationalen Rennen. Das PCS-Feedbacksystem unterstützt die Arbeit an der individuellen Rudertechnik über die grafische Anzeige auf bis zu vier Displays im Boot. Damit können z. B. im Achter gleichzeitig vier Rudererinnen bzw. Ruderer erfolgreich an ihrer Rudertechnik arbeiten, ohne sich gegenseitig zu stören, während sich die übrigen Mannschaftsmitglieder auf das "Stellen" des Bootes konzentrieren. Sofirow bietet über die akustische Rückmeldung spezifische Möglichkeiten zur Ansteuerung des Bootsbeschleunigungsverlaufs im Freilauf und in der vorderen Bewegungsumkehr, der Mannschaftssynchronisation (primäre Wirkung) sowie der Schlag- und Bewegungsstruktur in Abhängigkeit von der individuellen Rudertechnik (sekundäre Wirkung). Die Effekte führen zu einer verbesserten Bewegungstechnik, können die Kraft- und Leistungswerte pro Schlag steigern und dadurch die physiologische Beanspruchung pro Schlag erhöhen, ohne den jeweiligen Intensitätsbereich (Laktatauslenkung/ Schlagfrequenz) zu verlassen. Die Schlag- und Bewegungsstruktur nähert sich dabei dem Wettkampf an. Die Rückmeldungen der Athletinnen und Athleten zeigte, dass die Veränderung der Rudertechnik wahrgenommen und verinnerlicht wurde und dadurch motorische Lerneffekte stimuliert werden. Die erzielten Ansteuerungseffekte waren für die Trainerinnen und Trainer direkt beobachtbar und im veränderten Beschleunigungsverlauf hörbar. Damit wurden auch das Bewegungssehen, die Bewegungsbewertung und die Feedbackansprache an die Athletinnen und Athleten verbessert. Für die Trainingspraxis empfiehlt sich die Sonifikation mit neu formierten Bootsbesatzungen in allen Kaderbereichen durchzuführen, um die Mannschaftssynchronisation sowie ein zweckmäßiges Freilaufverhalten möglichst schnell zu erreichen und damit die Grundlage für weitere Ansteuerungseffekte der Rudertechnik zu schaffen. Accrow lieferte mit der 2000-m-Rennanalyse Informationen zur kinematischen Struktur des Ruderrennens und damit notwendige Informationen zur Beurteilung des Gesamtrennens (mittlere Bootsgeschwindigkeit und Relation Bootsgeschwindigkeit/ Schlagfrequenz), zur realisierten Renntaktik (Plan-Ist-Vergleich), zur mechanischen Zweckmäßigkeit des Rennprofils (interzyklische Geschwindigkeitsschwankungen). Zudem konnten durch die Rennphasenanalyse der Anteil und die zeitliche Verausgabung der aeroben und anaeroben Kapazitäten eingeschätzt werden. Damit erweitert die Analyse die bisherige Dokumentation der Gesamtrenndistanz erheblich, da auch Daten zu 500-m- und 250-m-Abschnitten enthalten sind. (vom Autor übern. gek.)
© Copyright 2016 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2015/16. Veröffentlicht von Sportverlag Strauß. Alle Rechte vorbehalten.
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| Notationen: | Trainingswissenschaft Ausdauersportarten Naturwissenschaften und Technik |
| Veröffentlicht in: | BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2015/16 |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hellenthal
Sportverlag Strauß
2016
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| Online-Zugang: | http://my.page2flip.de/2895682/8822043/8822044/html5.html#/106 |
| Seiten: | 105-108 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |