Blutvolumen, Hämoglobinmasse und Leistungsfähigkeit bei Eliteruderern
(Blood volume, haemoglobin mass and performance capability of elite rowers)
Die außerordentlich hohe physiologische Leistungsfähigkeit von Eliteruderern erfordert weitreichende Anpassungen des kardio-pulmonalen Systems. Das Blut genauer die Gesamthämoglobinmasse (tHb), determiniert die O2-Transportkapazität. Das Gesamtblutvolumen (BV) interagiert mit der kardialen Leistungsfähigkeit und beeinflusst die Ausdauerleistung. Entsprechend weisen Ausdauersportler ein hohes BV und eine hohe tHb auf.
Unklar ist bislang der Zusammenhang von tHb und BV mit der Leistung beim 2000 m-Ergometertest und rudertypischen Ausdauerparametern wie der Leistung bei Laktatkonzentration von 2 bzw. 4 mmol/l (PLa2 bzw. PLa4).
Bei N = 14 Eliteruderern ([Alle Angaben: Median (Minimum-Maximum)] Alter = 23 Jahre (19-34); Körperhöhe = 192 cm (180-205); Körpermasse = 89 kg (71-106); Fettfreie Körpermasse = 77 kg (64-95); VO2max = 6 l/min (5.1-6.4)) wurden folgende Parameter bestimmt: tHb (optimierte CD-Rückatemmethode), Leistungsparameter PLa2 und PLa4 im submaximalen Mehrstufentest, Fahrzeit im 2000m-Ergometertest (t2k). Die Berechnung des BV erfolgte auf Grundlage von tHb, venös bestimmtem Hämatokrit und mittlerem Hämoglobingehalt der Erythrozyten.
Die tHb liegt zwischen 991 g und 1449 g, das BV zwischen 7.241 und 10.51 I. Es besteht eine sehr starke Korrelation zwischen BV bzw. tHb und Leistung, der mit der Belastungsintensität ansteigt. Entsprechend zeigt sich der stärkste Zusammenhang mit t2k (rsp = -.89 bzw. -.84), ein schwächerer Zusammenhang mit PLa4 (rsp = .82 bzw. rsp = .64). Der Zusammenhang mit PLa2 ist weder signifikant noch relevant. Die Korrelation von BV und tHb beträgt rsp = .91.
Die Arbeit zeigt die enge Korrelation der tHb ond des damit einhergehenden BV für die maximale Mittelzeitausdauerleistung im Rudern. Der statistische Zusammenhang ist physiologisch plausibel, da ein hohes BV die Vorlast des Herzens erhöht und so die Auswurfleistung optimieren kann (Frank-Starling-Mechanismus). Hinzu kommen weitere leistungsbegünstigende Faktoren eines hohen BV (Thermoregulation, Vergrößerung des Lösungsraums). Im Zusammenhang von tHb und t2k zeigt sich die Bedeutung der O2-Transportkapazität. Die genannten Mechanismen sind bereits im submaximalen Bereich wirksam, aber wahrscheinlich aufgrund der hohen tHb- und BV-Werte der untersuchten Population kaum diskriminierend.
Aufgrund der hohen Kolinearität von tHb und BV lassen sich die Effekte statistisch nicht differenzieren. Weitere Berechnungen weisen darauf hin, dass die Korrelation zwischen tHb bzw. BV und Leistung zu einem hohen Teil über die Körperkomposition vermittelt wird.
tHb und das damit einhergehende BV besitzen eine physiologisch plausible, hohe Relevanz für die Leistungsfähigkeit. Da die tHb im zeitlichen Verlauf auch bei Leistungssportlern als vergleichsweise stabile Größe gilt stellt sie möglicherweise einen wertvollen Prognoseparameter dar.
© Copyright 2010 Rudersymposium 2010. Abstracts. Veröffentlicht von Technische Universität. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Ausdauersportarten Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Veröffentlicht in: | Rudersymposium 2010. Abstracts |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Dortmund
Technische Universität
2010
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| Online-Zugang: | http://www.hs.tu-dortmund.de/rudersymposium/abstracts/pdf-dateien/2-1-treff-schmidt-steinacker-blutvolumen-haemoglobin-und-leistungsfaehigkeit-bei-eliteruderern.pdf |
| Seiten: | 21 |
| Dokumentenarten: | Kongressband, Tagungsbericht |
| Level: | hoch |