Der Einsatz eines mobilen Muskel-Sehnen-Funktionslabors zur Strukturanalyse im Spitzensport

(Application of a mobile muscle-tendon function laboratory for structural analysis in elite sports)

Ziel dieses Service-Forschungsprojekts war es, die mechanischen Eigenschaften der triceps surae Muskel-Sehnen-Einheit von erwachsenen Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern verschiedener leichtathletischer Sprint- und Sprungdisziplinen regelmäßig direkt am jeweiligen Trainings- bzw. Wettkampfort zu untersuchen, um etwaige Dysbalancen in der Adaptation von Muskel und Sehne durch Training und Wettkampf zu identifizieren. Die gewonnenen Erkenntnisse sollten somit relevante Aussagen zur Identifikation möglicher Dysbalancen bzw. Prävention von Sehnenverletzungen liefern und in enger Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Trainerteam sinnvoll in die Trainingssteuerung integriert werden. Erste Ergebnisse der Querschnittsanalyse zeigten höhere Werte für das maximale isometrische Plantarflexionsmoment und die Achillessehnensteifigkeit im Sprung- in Relation zum Schwungbein in der Gruppe der Hoch-, Weit- und Stabhochspringer, nicht aber in der Gruppe der Dreispringer und Sprinter. Die höheren Werte im Sprungbein in Relation zum Schwungbein können nicht durch genetische Faktoren erklärt werden, sondern sind vielmehr auf eine seitenspezifische mechanische Trainings- bzw. Wettkampfbelastung zurückzuführen. Diese Ergebnisse weisen somit darauf hin, dass neben der Maximalkraft der Wadenmuskulatur auch die Sehnensteifigkeit der Achillessehne durch eine langfristige mechanische Belastung mit hohen Amplituden erhöht werden kann. Im Hinblick auf die ersten Ergebnisse der Längsschnittanalyse konnten ähnliche Anpassungsverläufe von Muskelkraft und Sehnensteifigkeit im Jahresverlauf gezeigt werden, was auf eine gelungene Integration individualisierter Trainingsmaßnahmen (u. a. Regeneration, spezifisches Training der Achillessehne; Arampatzis et al., 2007) und somit auf ein ausgewogenes Training von Muskel und Sehne verweist. Diese Ergebnisse lassen damit auf ein geringes Risiko einer - durch Dysbalancen zwischen Muskelund Sehnengewebe hervorgerufenen - Sehnenüberlastungsverletzung innerhalb des untersuchten Athletenkollektivs schließen, was durch das Ausbleiben einer derartigen Verletzung innerhalb des untersuchten Athletenkollektivs bzw. Analysezeitraums gestützt wird. Die Ergänzung regelmäßigen leichtathletischen Trainings um eine trainingsbegleitende Diagnostik sowie der darauf abgestimmten ergänzenden Trainingsmaßnahmen scheint demnach dazu beizutragen etwaigen Dysbalancen innerhalb der triceps surae Muskel-Sehnen-Einheit erwachsener Spitzenathletinnen und -athleten verschiedener Disziplinen vorzubeugen.
© Copyright 2018 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18. Published by Eigenverlag. All rights reserved.

Bibliographic Details
Subjects:
Notations:training science junior sports strength and speed sports
Published in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18
Language:German
Published: Bonn Eigenverlag 2018
Online Access:https://my.page2flip.de/15646901/16713668/16713670/html5.html#/350
Pages:349-354
Document types:article
Level:advanced