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Die Anwendung von anabolen-androgenen Steroiden im Leistungssport der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1960 bis 1988 unter besonderer Berücksichtigung der Leichtathletik

Während für den staatlich organisierten Dopingmissbrauch in einer Vielzahl von Sportarten in der DDR Publikationen in größerer Zahl vorliegen, die sich mit der Thematik aus unterschiedlichen Perspektiven auseinandersetzen, ist die Quellenlage zur Anwendung von Dopingmitteln in der Bundesrepublik Deutschland deutlich geringer. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass es keinen Dopingmissbrauch gegeben hat. Die an der Universität Hamburg vorgelegte Dissertation von Simon Krivec liefert Belege für den Dopingmissbrauch im Leichtathletikverband der Bundesrepublik von 1960 bis zur Wiedervereinigung, zeigt dabei aber auch grundlegende strukturelle Unterschiede zum Vorgehen im anderen Teil Deutschlands auf. Durch die Auswertung publizierter Quellen in Kombination mit der Befragung von Zeitzeugen (insgesamt beteiligten sich 61 Sportler, von denen 31 die Einnahme von anabolen-androgenen Steroiden bestätigten) konnte der Autor die Realität in der Leichtathletik der Bundesrepublik in den 60er bis Ende der 80er Jahre darstellen und kritisch diskutieren. Dazu hat er die Befragung inhaltlich in vier Themenbereiche strukturiert: - Informationen zum Verlauf der sportlichen Laufbahn der Befragten im DLV (Disziplingruppe, Kaderzugehörigkeit etc.) - persönliche Erfahrungen der Befragten im Einsatz anabol-androgener Steroide (Häufigkeit und Zeitpunkte, Wirkungen und Nebenwirkungen) - Informationen zum Gesundheitsstatus der Befragten (Krankengeschichte, Funktionsstörungen) - Rolle, die Verantwortliche des DLV und anderer Sportorganisationen im Gesamtprozess spielten. Er liefert in seinen Untersuchungen mit zwölf detailliert vorgestellten Fallbeispielen auch Aussagen zu den eingesetzten Dopingpräparaten wie auch zur Häufigkeit und den Zeitpunkten der Einnahme durch Leistungssportlerinnen und -sportler des Leichtathletikverbandes. Die Arbeit enthält ebenso wichtige Informationen zu beteiligten Personen und Institutionen, wie Trainer, Verbandsverantwortliche, Ärzte oder Apotheker und deren Agieren gegenüber den Sportlerinnen und Sportlern. Das Ergebnis ist insbesondere vor dem Hintergrund der vom Autor ebenfalls dargestellten Wirkungen und Nebenwirkungen der eingenommenen Dopingpräparate zu sehen und zu bewerten, und erhält hier aus dem Blickwinkel der Antwortenden eine sehr persönliche Dimension. Dazu präsentiert S. Krivec den aktuellen pharmazeutisch-medizinischen Kenntnisstand zu Wirkungen und Nebenwirkungen der eingenommenen Präparate, der deutliche Belege dafür liefert, dass die Risiken und Gefahren bekannt waren.
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:theory and social foundations sport history and sport politics biological and medical sciences
Language:German
Published: Berlin Logos Verlag 2017
Online Access:https://www.logos-verlag.de/cgi-bin/engbuchmid?isbn=4439&lng=deu&id=
Pages:346
Document types:book
Level:advanced