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Biomechanisch-muskelphysiologische Analyse des Kugelstoßens mit zwei verschieden schweren Kugeln

(Biomechanical-muscle physiologiy analysis of shot put with shots of differing weight)

In der vorliegenden Arbeit wurden biomechanisch-muskelphysiologische Aspekte des Kugelstoßens untersucht. Anhand des Stoßens mit zwei verschieden schweren Kugeln (4 bzw. 9 kg) sollte geklärt werden, ob es ausgehend von physikalischen Gesetzen möglich ist, mit der leichteren Kugel massenadäquat weiter zu stoßen. In der vorhandenen Literatur wurde diese Frage schon von HAUBRICH (1985) und WASSENBERG (1986) verneint. Der Hintergrund dieser Arbeit bestand darin, eine Begründung für die bereits von diesen Autoren ermittelten Ergebnisse zu finden. Hierfür wurde das zwischenzeitlich entwickelte dreidimensionale Messsystem ZEBRIS eingesetzt. Damit konnte der Abstoßabschnitt beim Kugelstoß isoliert betrachtet werden. Es wurden drei Versuche ausgearbeitet, deren Ziel es war, biomechanische und muskelphysiologische Gegebenheiten beim Kugelstoßen zu untersuchen, die dann anhand von physikalischen Gesetzmäßigkeiten bewertet werden sollten. Im ersten Versuch wurde das ZEBRIS-System verwendet, welches Daten zur Bestimmung des isolierten Bewegungsablaufes des Stoßens aus dem Sitz lieferte. Auch die Stoßweiten wurden in Versuch 1 gemessen. In Versuch 2 wurden Vergleichsweiten für das Stoßen aus dem Stand bzw. Stoßen mit vorherigem Angleiten ermittelt. Die Armvolumenmessung in Versuch 3 diente zur Bestimmung der fiktiv beschleunigten Armmasse. Die Stoßweitenergebnisse zeigten, dass ein massenadäquat weiteres Stoßen mit einer leichteren Kugel nicht erzielt wird. Die durch die dreidimensionale Messung erhaltenen Rohdaten gestatteten die Berechnung der Verläufe von Geschwindigkeit, Beschleunigung und Winkel während des Stoßes. Ebenso war es möglich, Ausstoßzeit und Kraftstoß zu ermitteln. Die Armvolumenmessung erlaubte die Festlegung der fiktiv beschleunigten Armmasse. Bei der Berechnung des Winkels wurde festgestellt, dass diese stark fehlerbehaftet war, was wiederum Auswirkungen auf die theoretische Stoßweite nach sich zog. Auch bei den anderen Einflussgrößen gab es Ungenauigkeiten, doch waren diese weniger ausgeprägt als bei der Winkelberechnung. Abschließend kann konstatiert werden, dass Abfluggeschwindigkeit und Kraftstoß den größten Einfluss auf die Stoßweite haben. Diese beiden Faktoren sind beim Stoß mit der leichteren Kugel verhältnismäßig gering, was ein massenadäquat weiteres Stoßen verhindert. Auch die Ausstoßzeit ist für diese Tendenz einer nicht massenadäquat weiteren Stoßweite bedeutsam. Da der Abflugwinkel einen großen Fehler beinhaltet, ist eine klare Aussage über dessen Rolle für die Stoßweite nicht möglich. Als maßgeblich beim Stoßen mit verschieden schweren Kugeln erwies sich somit die Tatsache, dass angesichts der kurzen Ausstoßzeiten im Bereich um 500 ms der von den Armmuskeln erzeugte Kraftstoß mit kürzere Zeit - anders als bei einem mechanischen Spiralfeder-Modell - aus physiologischen Gründen relevant abnimmt.
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:strength and speed sports training science
Language:German
Published: Mainz 2001
Online Access:http://www.uni-mainz.de/FB/Sport/physio/pdffiles/Girtsios01.pdf
Pages:2
Document types:university publication
Level:intermediate