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Auswirkungen einer verkürzten Winterpause auf die Verletzungshäufigkeit und Verletzungsschwere im deutschen Profifußball

Fragestellung: Studien über Verletzungen im deutschen Herren-Profifußball lagen bisher mit Ausnahme einer in der Saison 2004/05 durchgeführten medienbasierten Studie (Faude et al. 2009) nicht vor. Zur Rückrunde 2009/10 wurde die Winterpause in den beiden höchsten deutschen Profiligen (1. und 2. Bundesliga)?? v.a. aus wirtschaftlichen, marketingstrategischen und sportlichen Gründen (z.B. Fußball- Weltmeisterschaft 2010) von insgesamt sechseinhalb auf dreieinhalb Wochen verkürzt. Das Ziel dieser vorliegenden Studie war, die Auswirkungen der verkürzten Winterpause auf die Verletzungshäufigkeit und -schwere im deutschen Männer- Profifußball zu untersuchen. Methodik: Die Durchführung der Studie erfolgte gemäß der "FIFA-Konsensusrichtlinie über Verletzungsstudien im Fußball" (Fuller et al. 2006). In den Rückrunden 2008/09 und 2009/10 wurden von 7 aus initial 36 aufgeforderten Vereinen der 1. und 2. Herren-Fußballbundesliga fußballbedingte Verletzungen und Expositionszeiten erfasst. 184 Spieler nahmen in der ersten, 188 in der zweiten Rückrunde teil. Die Verletzungsdaten (z.B. Verletzungsart, -lokalisation, -schwere und Ausfallzeit), sowie die Spieler-Expositionszeiten und -Basisinformationen wurden von den medizinischen Abteilungen der Vereine dokumentiert. Die Auswertung erfolgte zentral durch den Autor am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes. Ergebnisse: Die anthropometrischen Spielerdaten waren: Alter 24,9 (±4,4) Jahre, Gewicht 78,8 (±7) kg, Größe 184 (±7) cm. Es wurden 300 sogenannte "time loss" - Verletzungen (mit mindestens einem Tag verletzungsbedingter Fußballpause) dokumentiert. 151 Verletzungen ereigneten sich in der Rückrunde 2008/09, 149 während der Rückrunde 2009/10. 53% (n=159) der Verletzungen traten im Spiel auf, die restlichen während des Trainings. Die Gesamtverletzungsinzidenz pro 1000 Fußballstunden betrug in der Rückrunde 2008/09 5,90 [95% CI 5,03 - 6,92] und in der Rückrunde der Saison 2009/10 6,57 [95% CI 5,59 - 7,71]. Es konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Rückrunden festgestellt werden. Das Verletzungsrisiko während eines Fußballspiels war signifikant, nahezu 9fach, höher verglichen zum Training (Trainingsverletzungen/1000 h in der 1. Rückrunde 2,68 [95% CI 2,09 - 3,45], in der 2. Rückrunde 3,98 [95% CI 3,20 - 4,96]; Spielverletzungen/1000h in der 1. Rückrunde 31,5 [95 % CI 25,6 - 38,7], in der 2. Rückrunde 26,5 [95 % CI 20,9 - 33,5]). In der Rückrunde 2009/10 war die Verletzungsinzidenz im Training signifikant höher als in der Rückrunde 2008/09 (IRR 1,48 [95% CI 1,06-2,07]; p=0,02). Von allen Verletzungen waren die unteren Extremitäten am häufigsten (83%) betroffen. Die meisten Verletzungen betrafen die Oberschenkel (29%), gefolgt von Knie (21%) und Sprunggelenk (17%). Es traten signifikant mehr Knieverletzungen in der Rückrunde nach verkürzter Winterpause auf (IRR 1,67 [95% CI 1,01-2,77], p=0,048). In der zweiten Rückrunde waren auch tendenziell mehr Verletzungen mit mindestens acht Tagen Verletzungspause ("moderate" und "schwere" Verletzungen) nachzuweisen (IRR 1,34 [95% CI 0,96 - 1,87], p=0,085). Spieler über 30 Jahre hatten im gesamten Studienzeitraum insgesamt eine höhere Verletzungsinzidenz als jüngere Spieler (IRR 1,42 [95% CI 1,03-1,95], p=0,03). Schlussfolgerungen: Im deutschen Herren-Profifußball ließ sich nach verkürzter Winterpause in der Saison 2009/10 keine statistisch nachweisbare Änderung der Gesamtverletzungsinzidenz feststellen. Statistisch relevant waren eine höhere Anzahl an Trainings- und Knieverletzungen nach verkürzter Winterpause. Außerdem gab es tendenziell mehr schwerere Verletzungen. Ursache hierfür könnte die fehlende Vorbereitungszeit vor der Rückrunde gewesen sein, die möglicherweise mit einer Änderung der Trainingsintensität verbunden war. Ursächlich könnten auch weniger präventiv angelegte Trainingseinheiten oder Regenerationszeiten für verletzte Spieler auf Grund der fehlenden bzw. anderweitig genutzten Zeit in der Vorbereitung gewesen sein. Die Verletzungsinzidenzen in der deutschen 1. und 2. Bundesliga der Männer lassen sich, ebenso wie die Verletzungsmuster, mit denen in anderen europäischen Profifußballligen vergleichen. Weitere Studien über Verletzungen im deutschen Herren-Profifußball sind wünschenswert, da ausreichende epidemiologische Verletzungsdaten Grundvoraussetzung für eine effektive Prävention sind. Ein kontinuierliches, ligaübergreifendes und einheitliches Verletzungsdokumentationsregister ist sinnvoll, um mögliche Fehlerquellen bei der Datenerfassung zu minimieren und eine Vergleichbarkeit mit anderen Studien zu ermöglichen.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Spielsportarten Biowissenschaften und Sportmedizin
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Homburg/Saar Universität des Saarlandes, Medizinische Fakultät, 2012
Ausgabe:Homburg/Saar: Universität des Saarlandes, Medizinische Fakultät, 2012.- 85 S.
Online-Zugang:http://d-nb.info/1052781756/34
Seiten:85
Dokumentenarten:Dissertation
Level:hoch