Teamentwicklung in Fußballmannschaften
(Team development in football teams)
Bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 erreichte der Gastgeber Deutschland, dem im Vorfeld lediglich Außenseiterchancen eingeräumt worden waren, mit begeisterndem Offensivfußball Platz drei und anschließend wurde das Team von Fans und Medien als"Weltmeister der Herzen" gefeiert. Im Gegensatz dazu blieb das favorisierte Nationalteam Brasiliens mit seinen technisch brillanten Weltklasse-Spielern weit hinter den Erwartungen zurück. Wie lässt sich dies erklären? Da bei Mannschaften im Spitzenbereich hinsichtlich konditioneller und technischer Fähigkeiten sowie taktischer Spielkonzepte zunehmend weniger Unterschiede existieren, dürften für den sportlichen Erfolg vermehrt andere Faktoren von wichtiger Bedeutung sein. Hinsichtlich potentieller Erfolgsfaktoren wurden in der Sportökonomie bislang vor allem monetäre Aspekte diskutiert. Dies scheint vor dem Hintergrund moderner Ansätze des Human Ressource Management jedoch nicht ausreichend. Da sich Sportspielmannschaften durch eine Vielzahl wechselseitiger Kooperations- und Interaktionsbeziehungen auszeichnen dürften - wie das Beispiel der Deutschen Fußballnationalmannschaft zeigt - Teamgeist und Zusammenhalt in einer Mannschaft eine wichtige Rolle spielen. Die Bedeutung dieser Faktoren für den sportlichen Erfolg einer Mannschaft wurde in einer Reihe sozialpsychologischer Studien nachgewiesen. Zur Frage, wie Zusammenhalt in einer Sportspielmannschaft entwickelt und inwieweit Teamentwicklung steuerbar ist, liegen dagegen kaum Arbeiten vor. Im Rahmen des Vortrags wird deshalb ein (akteur)theoretischer Ansatz zur Teamentwicklung in Fußballmannschaften erarbeitet und erste Befunde einer Pilotstudie (Interviews mit Trainern) vorgestellt. Die Überlegungen gehen dabei von der Annahme aus, dass die Spieler einer Mannschaft den sportlichen Erfolg als gemeinsames Ziel sehen. Hierbei ist von zentraler Bedeutung, dass die Spieler ihre individuellen Interessen zurückstellen und ihre sportlichen Handlungen ausschließlich am kollektiven Erfolg der Mannschaft orientieren. Wegen der Komplexität der Handlungssituationen ist bei Fußballmannschaften eine extreme Stellen- und Rollendifferenzierung von zentraler Bedeutung. Aufgrund des mit der Rollenspezialisierung verbundenen Koordinierungsbedarfs ist es notwendig, dass Trainer von Fußballmannschaften mit Macht- und Weisungsbefugnissen den Spielern gegenüber ausgestattet sind. Während des Spiels hat der Trainer allerdings nur bedingt Einflussmöglichkeiten, weshalb das Handeln im Wettkampf vor allem durch flache und weitgehend informelle Hierarchiestrukturen innerhalb der Mannschaft gesteuert werden dürfte. In diesem Zusammenhang sind so genannte "Führungsspieler" zu beachten, die für ein funktionierendes Mannschaftsgefüge eine wichtige Funktion übernehmen. Schließlich ist zu prüfen, inwieweit freundschaftliche Beziehungsstrukturen sowie gegenseitiges Vertrauen innerhalb einer Mannschaft dazu beitragen, sich für den anderen einzusetzen, Fehler zu verzeihen und sich gegenseitig zu motivieren.
© Copyright 2007 Fussball: Ökonomie einer Leidenschaft. Internationale Fachtagung, Magglingen. Veröffentlicht von Hofmann Verlag. Alle Rechte vorbehalten.
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| Notationen: | Spielsportarten Sozial- und Geisteswissenschaften Trainingswissenschaft |
| Veröffentlicht in: | Fussball: Ökonomie einer Leidenschaft. Internationale Fachtagung, Magglingen |
| Sprache: | Deutsch Englisch |
| Veröffentlicht: |
Schorndorf
Hofmann Verlag
2007
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| Ausgabe: | Schorndorf: Karl Hofmann, 2009. - S. 153-162 |
| Online-Zugang: | https://www.bisp-surf.de/Record/PU200906003051 |
| Seiten: | 153-162 |
| Dokumentenarten: | Kongressband, Tagungsbericht |
| Level: | mittel hoch |