Guardiola - der Fußball-Philosoph

Mit dem Namen des spanischen Fußballspielers (der fast 50 Länderspiele für sein Land bestritt und 1992 in Barcelona olympisches Gold erkämpfte) und Fußballtrainers Josep Guardiola sind viele Erfolge seiner Mannschaften, grandiose Siege in nationalen und internationalen Meisterschaften und die Entwicklung einer Vielzahl herausragender Spieler verbunden. Gleichzeitig steht Guardiola als Trainer aber auch für eine Fußballphilosophie, die äußerst attraktiv, populär und nicht zuletzt über alle Maßen erfolgreich ist. Letztlich steht der Mensch Pep Guardiola auch dafür, die Spieler seines Teams immer zuerst als Persönlichkeit insgesamt zu sehen und mit ihnen entsprechend im Training und Spiel wie auch außerhalb der sportlichen Aktivitäten wertschätzend und anerkennend umzugehen. Sein Bild von den ihn umgebenden Personen ist aber nicht nur durch den Sport geprägt, sondern auch durch seine familiären und regionalen Wurzeln, die daraus erwachsenden Haltungen und Handlungen und durch seine eigene sportliche Entwicklung, auf die wiederum weltbekannte Trainer wie Johan Cruyff und Luis van Gaal entscheidenden Einfluss genommen haben. Damit unterscheidet er sich von nicht wenigen Protagonisten des internationalen Profifußballs, der eher laut ist, der das Spektakel und die Sensation sucht, im dem das "Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt" zum Tagesgeschäft gehört, das gerne auch bewusst durch Medien und/oder Fußballvereine gefördert und gelebt wird. Wenn dieser hoch professionelle und gleichzeitig so bescheidene Fußballexperte seine beruflichen Zelte in der bayerischen Landeshauptstadt aufschlägt, um dem stolzen FC Bayern und seinem kickenden Starorchester ein neues fußballerisches Credo zu verpassen, ist das im Sport- und Fußball-Deutschland ein Ereignis von herausragender Bedeutung. So wurde und wird es auch in den Medien reflektiert, die Guardiola einerseits (wie auch die Fans und die Vereinsführung natürlich) wegen seines offensiven Fußballs lieben, den er seit seinem Amtsantritt in München spielen lässt, die aber auch nach immer mehr Informationen und Details aus der Vergangenheit und Gegenwart des Fußballphilosophen lechzen, um diese einem Millionenpublikum zu präsentieren, ja zu kredenzen. Und gerade hier ist Pep Guardiola nicht immer sehr freigiebig, will sein Leben im, mit, um wie auch außerhalb des Fußballs auch in Zukunft weiter selbst bestimmen und nicht alles auf einem medialen Altar "opfern". Das vom anerkannten Kenner der Geschichte und des aktuellen Leistungs- und Gefühlszustands des bayerischen und katalanischen Spitzenfußballs, Dietrich Schulze-Marmeling, vorgelegte Buch über die Entwicklung von Pep Guardiola und seinem Grundverständnis des modernen Fußballs auf internationalem Topniveau kann deshalb eine Lücke füllen, da auf den mehr als 220 Seiten ein facettenreiches und manchmal auch detailverliebtes Bild des Menschen Josep Guardiola mit seiner sportlichen Ausbildung in der Kindheit und Jugend, mit seiner fußballerischen Entwicklung beim FC Barcelona und in der spanischen Nationalmannschaft entsteht. Das ist gut so, um Aussagen in den nachfolgenden Kapiteln gut zu "verstehen", oder besser gesagt, den Trainer Guardiola zu "verstehen", der seine Philosophie darauf aufbaut, was er selbst erlebt hat, wie er diese tolle Sportart versteht und wie er mit ihr umgehen möchte. Viele der erzählten Geschichten gehören zur aktuellen Fußballgeschichte Spaniens, Deutschlands und Europas. Josep Guardiola ist einer der wenigen, denen es gelungen ist, sowohl als Spieler als auch jetzt als Trainer Spuren zu hinterlassen, dessen Positionen gefragt sind, die gehört und gelesen werden. Die Lektüre ist auch deshalb interessant bis spannend, weil der Autor viele Fakten und Informationen präsentiert und Entwicklungsprozesse wie auch Spiele der Teams von Guardiola erklärt, die der fußballinteressierte Leser selbst am Fernsehen verfolgt hat. Beispiele sind so die Entwicklung des Kurzpassspiels und der Betonung des eigenen Ballbesitzes, die in den letzten Jahren in Guardiolas Teams nahezu perfektioniert wurden. Dazu war es notwendig, die entsprechenden Spielertypen zu identifizieren, sie entsprechend auszubilden und auch die Spielsysteme darauf abzustimmen. Wie das funktioniert, erläutert der Autor, der aus dem Angebot der faszinierenden Spiele des FC Barcelona (und inzwischen auch des FC Bayern München) ausreichend Beispiele bieten kann, um zu zeigen, wie diese Spielphilosophie dann auch auf dem Platz umgesetzt wurde und wird. Inhaltsverzeichnis 1 Ein Schlaks aus Katalonien: Peps Entdeckung / Leben in La Masia / Prägung durch Johan Cruyff / Der Wissbegierige 2 Der Stratege des Dream-Teams: Der Aufstieg zum Führungsspieler / Gewinn der europäischen "Königsklasse" 1992 / Olympisches Gold im Camp Nou 3 Pep, Bobby, Mou, Juanma und Louis: Guardiola und die Trainer: Keine Probleme mit Mourinho / Bewunderung für Juanma Lillo / Reibereien mit van Gaal 4 Ein Fußballprofi auf Bildungsreise: Ein Kicker mit intellektuellen und kulturellen Interessen / Dopingaffäre in Italien / Ein Freund Katars / Schlusspunkt in Mexiko 5 Zurück in Barcelona: Gespräche mit großen Vorbildern / Trainer von Barças B-Team / Guardiola statt Mourinho als Chefcoach 6 Der Nationaltrainer Kataloniens: Ein "katalanischer Idealbürger" / Eine "Nation der Wohlerzogenen" / Barça als katalanische Nationalmannschaft 7 "Cruyffismo" remastered: Peps Philosophie I: Kein Training ohne Ball / Spielerische Intelligenz / Demut im Sieg / Offensives Spektakel / Die Rückkehr der Kleinen 8 "Cruyffismo" reloaded: Peps Philosophie II: Catenaccio offensiv / Der "falsche Neuner" / 4-3-3 / 3-4-3 / 3-3-4 9 Der erste "Sextuple"-Trainer: Abschied von alten Stars / "Fußball wie im Paradies" / 6:2-Erfolg im Bernabéu / Triumph in der Champions League 2009 / Die Rückkehr des "totalen Fußballs" 10 Erste blaue Flecken: Das Experiment mit Ibrahimovic / Mourinho knackt den Barça-Code / Titelverteidigung in Spanien 2010 / "Mein schlechtester Trainer" 11 Spanischer Fußballkrieg: Ein Glücksritter im Ferrari / Barças 5:0 in Madrid / Vier Clásicos in 17 Tagen / Mourinhos Verschwörungstheorien / Das neue Dream-Team 2011 12 Abschied aus Barcelona: Zu Besuch in München / Ärger mit dem Präsidenten / Misserfolge bei der Titeljagd 2012 / "Ich fühle mich aufgezehrt" 13 Zwischen Hudson River und Isar: Ein Bayer in New York / Die Liebe zum englischen Fußball / Alle wollen Pep / Die Bombe platzt / Verlierer Mourinho 14 Warum Deutschland, warum Bayern?: "Ritterschlag für die Bundesliga" / Bald Nummer eins in Europa? / Solide Finanzen und gute Jugendarbeit / Regionale Identität und politische Wünsche 15 Josef und Josep: Bayerns Vorbild Real / Die Suche nach einer Spielidee / Jupp Heynckes, der unterschätzte Modernisierer / Annäherung an Barça 16 "Die Schöpfung ist niemals vollendet": Mutmaßungen über Peps Chancen / Spielverderber Sammer? / Kann Bayern noch besser werden? / Trost von Immanuel Kant Kurzbiografie Josep Guardiola
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Leitung und Organisation Sportgeschichte und Sportpolitik Spielsportarten
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Göttingen Verlag Die Werkstatt 2013
Seiten:239
Dokumentenarten:Buch
Level:niedrig