Sportpsychologische Einflussfaktoren der Leistung von Elfmeterschützen
Die deutsche Fußballnation verdankt Karl Wald viel, sehr viel sogar. Denn er ist es, der 1970 die Idee zum Elfmeterschießen hatte und damit zum ungewollten Wegbereiter vieler Erfolge der deutschen Nationalmannschaft wurde. Dabei lief es für die deutsche Mannschaft zunächst alles andere als optimal, denn gleich ihr erstes Elfmeterschießen im Jahre 1976 gegen die Tschechoslowakei ging verloren. Doch gut 40 Jahre nach der Erfindung des Elfmeterschießens begründet sich der internationale Ruf der Deutschen als große Fußballnation maßgeblich auf den Leistungen bei dieser außergewöhnlichen Entscheidungssituation. Seither wurden alle Elfmeterschießen bei Welt- und Europameisterschaften gewonnen - ein Grund für das Erreichen vieler Halbfinal- und Finalspiele. Deutsche Spieler zählen deshalb zu den weltbesten Elfmeterschützen (Martens, 2003).
In dieser Arbeit wurden die sportpsychologischen Einflussfaktoren der Leistung von Elfmeterschützen untersucht. Ziel war es, die Grundlage für Trainingsprogramme in diesem Kontext zu schaffen und damit dem bestehenden Mythos der Untrainierbarkeit zu begegnen. Zunächst wurde der aktuelle Forschungsstand zur Leistung von Elfmeterschützen zusammengefasst. In der bisherigen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema ist die Fokussierung auf Einzelbefunde das vorherrschende Mittel, sodass diese Zusammenfassung einen wichtigen Schritt zum theoretischen Verständnis dieser komplexen sportlichen Situation darstellt. Als zweiter Schritt wurde das Sportpsychologische Arbeitsmodell der Leistung von Elfmeterschützen aufgestellt und anhand der empirischen Befunde geprüft. Der Vorteil dieses Modells besteht in der elfmeterspezifischen Abbildung der psychologischen Einflussgrößen der Leistung. Durch das Experteninterview wurden vertiefende Einsichten eines Spielers aus dem höchsten Leistungsbereich gewonnen. Der Befragte beschrieb darin, wie es ihm mithilfe bestimmter mentaler Fertigkeiten gelingt, sich in der Elfmetersituation optimal zu fokussieren.
Im empirischen Hauptteil der vorliegenden Arbeit wurde die zentrale empirische Lücke untersucht: Welchen Einfluss hat die Persönlichkeit auf die Leistung von Elfmeterschützen? Die Ergebnisse der Feldstudie "Der Elfmeterkönig von Leipzig" zeigen, dass dispositionell wettkampfängstliche Personen schlechtere Trefferleistungen erzielten als weniger Wettkampfängstliche. Die Persönlichkeit beeinflusste die Leistung auch über die Wahl der jeweiligen Elfmeterstrategie. Passte der Spielertyp mit der Elfmetertechnik zusammen, erhöhte sich die Leistung. Darüber hinaus gelang es, den Druck eines Elfmeters im Wettkampf realistisch zu simulieren. Der Mythos der Untrainierbarkeit des Elfmeters ist auf Grundlage der mit der Arbeit gewonnenen Ergebnisse nicht haltbar.
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| Notationen: | Spielsportarten Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hamburg
Verlag Dr. Kovac
2012
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| Ausgabe: | Hamburg: Kovac, 2012.- 164 S. |
| Seiten: | 164 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |