Das komplexe Fußballtraining. Band 1: Allgemeines Koordinationstraining. Theorie und Praxis
Ein Blick zurück in den Fußball der 50er, 60er oder 70er Jahre erinnert uns an die Straßenfußballer, die jede freie Minute nutzen, um allein oder mit Freunden auf dem Bolzplatz, egal ob bei Sonnenschein oder Regen, mit dem runden Leder zu trainieren. Oftmals schauten sich die Kleinen die Tricks und Fertigkeiten von den großen ab, die diese wiederum bei Spielen der Stars ihrer Zeit gesehen hatten. Und das Training war natürlich immer mit dem eigentlichen Fußballspiel verbunden, denn jede Neuigkeit sollte und musste dann auch in den Praxistest bestehen, in dem der gegnerische Verteidiger "getunnelt" oder mit einem frechen Trick ausgespielt wurde.
Heute verläuft dieser motorisch-technische Lern- und Übungsprozess in den meisten Fällen viel strukturierter, unter Anleitung eines Übungsleiters oder Trainers, der oftmals auch die technischen Details vorführen kann. Allerdings hat sich langsam aber sicher auf den deutschen Fußballplätzen ein Wandel der Trainingsinhalte vollzogen: Der konditionellen und der technisch-taktischen Schulung ist zunehmend mehr Bedeutung beigemessen worden, wodurch die koordinative Schulung schrittweise in den Hintergrund bzw. mehr an den Rand gedrängt wurde. Dies kann bei einer Sportart, die von Schnelligkeit, technischer Vielfalt und auch vom Körperkontakt mit dem Gegenspieler lebt, nicht "unbestraft" bleiben. Und so haben die Fußballinteressierten in Deutschland nicht selten etwas neidisch auf die Fußballzauberer aus Südamerika, aber auch aus Frankreich oder Portugal geschaut. Und auch manch großes Fußballturnier der Nationalmannschaft war recht bald ausgespielt, weil gerade die fußballerischen, technischen Fertigkeiten im Vergleich mit der europäischen oder Weltspitze nicht ausreichten (zumal dort konditionelle Nachteile auch wettgemacht wurden).
In den letzten Jahren hat sich aber im Denken bei den Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes etwas geändert: Technik, Spielwitz und Kreativität, basierend auf einer umfassenden koordinativen Ausbildung im Kindes- und Jugendbereich sind wieder in den Mittelpunkt gerückt. Entsprechende Ausbildungsprogramme haben Erfolg gezeitigt. Und auch die Zahl der Publikationen, in denen abwechslungsreiche Übungen angeboten werden, um Kindern, egal ob Mädchen oder Jungen, mit den technischen Grundlagen der faszinierenden Teamsportart Fußball, die aber eben auch von den individuellen Fertigkeiten der SpielerInnen lebt, vertraut zu machen.
Hier reiht sich auch das Buch von Martin Drobe ein, der sein Konzept des Koordinationstrainings vorstellt, wobei er sich grundlegend an Hirtz und den vom diesem beschrieben Fähigkeiten (Kopplungs-, Differenzierungs-, Gleichgewichts-, Orientierungs-, Rhythmus-, Reaktions- und Umstellungsfähigkeit) orientiert. Diese bilden den Hintergrund für eine sportartspezifische Anforderungsanalyse und die Ableitung typischer, dominanter Handlungen, für die wiederum das Modell von Neumaier genutzt wird.
Damit hat er die Voraussetzungen geschaffen, um die Methoden vorzustellen, die im Koordinationstraining Anwendung finden sollen:
- Variation der Bewegungsausführung
- Veränderung der äußeren Bedingungen
- Kombination von Bewegungsfertigkeiten
- Üben unter erhöhten Genauigkeitsanforderungen
- Üben mit maximalem Tempo
- Variation der Informationsaufnahme und
- Üben nach Vorbelastung.
Letztlich ordnet er das Koordinationstraining altersgruppengerecht in den Gesamttrainingsprozess ein, bevor er 48 Übungs- und Spielformen zur Entwicklung koordinativer Fähigkeiten bei jungen Fußballspielern vorstellt.
© Copyright 2008 Veröffentlicht von Books on Demand. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Spielsportarten Trainingswissenschaft Nachwuchssport |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Norderstedt
Books on Demand
2008
|
| Ausgabe: | Norderstedt: Books on Demand, 2008. - 114 S. |
| Seiten: | 114 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | mittel |