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Herz-Kreislauf-System-Beanspruchung im österreichischen Jungprofifußball. Wettkampfanalyse am Beispiel der GAK-Amateure

Die Spielsportarten mit ihrer komplexen Leistungsstruktur stellen ein Feld wissenschaftlicher Untersuchungen dar, das seit vielen Jahren für Trainingswissenschaftler, Mediziner oder Psychologen sehr interessant ist. Parallel dazu gibt es ein kontinuierlich steigendes Interesse bei Vereinen und Trainern (das insbesondere im Hochleistungsbereich sehr stark ausgeprägt ist, aber auch bereits in den vorgelagerten Altersklassen wichtig ist), wissenschaftliche Erkenntnisse gezielt zu nutzen, um die Leistungsfähigkeit ihrer Mannschaften und/oder einzelner Spieler weiterzuentwickeln bzw. auch ein vorhandenes Leistungsniveau ausschöpfen zu können. In diesem Prozess spielt die Ermittlung des jeweils aktuellen Leistungsstandes der Mitglieder einer Mannschaft eine entscheidende Rolle. Dafür werden innerhalb der Leistungsdiagnostik verschiedene Tests eingesetzt, um konditionelle, koordinative, kognitiv-taktische und psychische Fähigkeiten zu untersuchen und ihren Beitrag zur Sportspielleistung zu analysieren. Wichtig ist, dass diese Untersuchungsverfahren auf der sehr guten Kenntnis der sportartspezifischen. Leistungsstruktur beruhen. In der vorliegenden Arbeit zum Nachwuchsleistungssport im Fußball konzentriert sich der Autor auf die Beanspruchung des Herz-Kreislauf-Systems in wettkampftypischen Situationen. Während eines Spiels besitzen die konditionellen Leistungsfaktoren der Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination eine herausragende Bedeutung. Sie sind, wie der Autor treffend bemerkt, der "Grundpfeiler des modernen Fußballs" und entscheidende Voraussetzung dafür, die Spielfähigkeit zu verbessern. In seiner Arbeit geht Oliver Oswald von der Hypothese aus, dass die durchschnittliche Belastungsintensität während eines 90-minütigen Fußballspiels nahe der anaeroben Schwelle liegt. Dabei ist zu beachten, dass Fußballspieler pro Match 9-12, in Einzelfällen sogar 14 km zurücklegen, aber eben auch cirka 50 Prozent der Spielzeit stehend oder gehend verbringen. Für die fußballspezifische Belastung wird in erster Linie das aerobe Energiesystem angesprochen, wobei die anaerobe Energiebereitstellung in Phasen hoher Belastungsintensitäten während des Spiels entscheidend ist (pro Spiel absolviert ein Spieler durchschnittlich bis zu 20 Sprints mit einer Dauer unter 3 Sekunden, die allerdings auch in Serien erfolgen können. Für die Untersuchung wurden acht Spieler eines österreichischen Teams des Nachwwuchsleistungssportbereichs ausgewählt, die sowohl unter Labor- als auch unter Wettkampfbedingungen getestet wurden. Dabei standen die Spiroergometrie bei kontinuierlich steigender Belastung sowie die Herzfrequenzaufzeichnung im Mittelpunkt des Interesses. Die Ergebnisse zeigen, dass die mittlere Herzfrequenz bei 163 Schlägen pro Minute liegt, wobei in der ersten Spielhälfte höhere Werte als in de zweiten ermittelt wurden. Eine vergleichbare Situation wurde auch für die maximale Herzfrequenz vorgefunden. Dieses abfallende Leistungsniveau wird auch durch die ermittelten Werte der Belastungsintensität in den beiden Halbzeiten untersetzt, die in der ersten bei 88,4 Prozent lag und dann in der zweiten auf 82,1 Prozent der anaeroben Schwelle abfiel. Die sich daraus ergebenden Fragen lauten: Werden die Spieler in der Halbzeitpause zu spät wieder aktiviert, sodass ihr Körper erst wieder eine längere Phase benötigt, um auf Hochtouren zu gelangen? Muss das Training umgestellt werden, damit die zweite Halbzeit mit der gleichen Belastungsintensität absolviert werden kann wie die erste?
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Spielsportarten Biowissenschaften und Sportmedizin Nachwuchssport
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Saarbrücken VDM Verlag Dr. Müller 2008
Seiten:97
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch