Die Kunst des Torwartspiels oder die sieben Prinzipien der Meister
Sie gehören zu den Dominatoren des Fußballspiels in der ganzen Welt: Die Torhüter. Sie werden von denen geliebt, denen sie Siege mit schier unglaublichen Reflexen oder mit ihrer unnachahmlichen Art der Strafraumbeherrschung sichern, während sie von anderen gehasst werden, wenn sie im Elfmeterschießen den Schützen "ausgucken" oder wenn sie Freistöße, Eckstöße oder Torschüsse aus allen Lagen reihenweise meistern. Dann hat man (und dazu zählen dann auch die Spieler des gegnerischen Teams) den Eindruck vor einer Wand zu stehen, die unüberwindlich ist. Dann wird vom Panther, Tiger oder der Katze gesprochen, die geschmeidig und zugleich kraftvoll nach dem scharf getretenen Ball hechtet, diesen entschlossen ins Feld zurückboxt oder mit Effet geschossene Freistöße mit letzter Anstrengung um den Torpfosten lenkt, nachdem die Richtung des Balls erst im letzten Augenblick zu erkennen war. Es scheint, das legendäre Torhüter wie Planicka, Jaschin, Sepp Maier, Zoff, Schmeichel, Kahn oder Cech mit diesen wichtigen Eigenschaften schon auf die Welt gekommen sind. Die Aufgabe der Übungsleiter und Trainer bestand nur noch darin, sie zu "entdecken". Sicherlich gehören auch Persönlichkeitseigenschaften wie Mut, strategische Übersicht oder Entschlossenheit ins Repertoire von Torhütern, aber sie reichen bei Weitem nicht, um aus einem talentierten jungen Torwart den Star in einer Bundesliga oder in der Nationalmannschaft zu machen. Hier ist Training über viele Jahre und mit hoher Intensität gefragt. Im vorliegenden Buch widmet sich der Autor dieser zielgerichteten sportlichen (und mentalen) Ausbildung von Torhütern. Dazu hat er das Verhalten und die Fähigkeiten/Fertigkeiten erfolgreicher "letzter Männer" analysiert und in sieben Prinzipien zusammengefasst:
- ein Torhüter sucht ständig nach der optimalen Position und Distanz zum Spielgeschehen und zum Ball
- um schnell und situationsangepasst reagieren zu können, muss er sich stets in einem Zustand des körperlichen Gleichgewichts befinden, das ihm die erforderlichen Bewegungen/Handlungen ermöglicht
- das ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass der Torhüter mit seinen vorbereitenden Handlungen rechtzeitig fertig ist, um seine Auftaktbewegung motorisch und zeitlich richtig zu setzen
- von großer Bedeutung ist dann, dass die Abwehrreaktion mit dem "richtigen" Bein, in die richtige Richtung beginnt (dies muss trainiert werden, um eine natürliche Links- oder Rechtslastigkeit zu überwinden)
- Ziel muss es stets sein, dass sich der Torhüter schnell, entschlossen und aktiv hin zum Ball bewegt
- oftmals muss die Torhüteraktion bewusst in Regionen gehen, in denen ausgesprochener Mut erforderlich ist, um sich in das Getümmel von Verteidigern und Angreifern zu stürzen, den Ball abzuwehren und dann sofort wieder bereit zu sein für die nächste Aktion
- die Spezifik des Fußballspiels erfordert eine 90-minütige Aufmerksamkeit, eine Kontrolle all dessen, was sich vor dem Torhüter abspielt, um dann im entscheidenden Augenblick die richtigen Handlungen auszuführen - mentale Fitness ist gefragt, auch in Situationen, denen gerade individuelle Misserfolgserlebnisse vorausgegangen sind.
Allein diese Prinzipien weisen auf die Komplexität der sportartspezifischen Anforderungen des Torhüterspiels im Fußball hin. All das muss trainiert werden. Dafür bietet das Buch von Hans Leitert eine große Zahl interessanter Anregungen, Übungen und Spielformen. Er konzentriert sich dabei auf Formen, die in einem engen Zusammenhang mit den oben genannten Prinzipien eines erfolgreichen Torwartspiels stehen. Dies er folgt sowohl verbal, aber auch durch graphische Illustrationen und Bilder, die typische Momente im Torwartspiel "rekonstruieren", diese analysieren und Konsequenzen für das Training ableiten. So muss ein Torhüter die Raumverteidigung genauso beherrschen, wie eine gezielte und effektive Spieleröffnung. Er muss über eine sehr solide und flexibel einsetzbare fußballerische Grundausbildung verfügen, um "mitspielen" zu können und muss natürlich mental wie physisch stark sein - er will seinen Strafraum wie auch seinen Torraum beherrschen. Dazu sind ab und zu "big saves" notwendig, die ihm nur dann gelingen werden, wenn sein Talent mit intensivem Training zur vollen Blüte gebracht wird.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Spielsportarten Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Münster
Verl.-Haus Monsenstein und Vannerdat
2007
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| Ausgabe: | Münster: Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat, 2007. - 152 S. |
| Schriftenreihe: | Edition Octopus |
| Seiten: | 152 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | mittel |