Zur Ergebniskonstanz von Bewegungstechniken beim Zielwurf
Während es zweifelsohne eine Reihe von Sportarten wie Basketball, Schießen oder Curling gibt, bei denen alle, Aktive, Trainer wie auch Zuschauer sofort den Aspekt der Bewegungsgenauigkeit als besonders wichtig erachten, zeigt eine genauere Analyse des Problems, dass es aber auch eine Vielzahl weiterer Sportarten gibt wie den Weitsprung (wo es gilt, die Schrittgestaltung so zu wählen, dass der Absprungbalken perfekt getroffen werden kann) oder das Eiskunstlaufen (bei dem die vorbereitenden Schritte zu einem Dreifach- oder Vierfachsprung den Sportler in eine optimale Körperhaltung für die nachfolgenden Bewegungsabschnitte bringen muss), in denen dieses Element sportlicher Meisterschaft nicht gleich erkennbar ist, ohne dass es dadurch aber an Bedeutung verlieren würde.
Als besonders wichtig ist dabei zu erachten, dass es den Sportlern immer wieder und auch unter wechselnden Bedingungen und in den Sportspielen auch gegen gegnerische Beeinflussungsversuche gelingen muss, die Bewegungsgenauigkeit zu erhalten, um das sportliche Ziel erreichen zu können.
Die Genauigkeitsanforderungen gerade bei Zielwürfen sind in diesem Sinn besonders hoch bzw. komplex, was sich auch in den eingesetzten variierenden Trainingsformen ausdrückt. Den Sportlerinnen und Sportlern müssen Möglichkeiten vermittelt werden, das sportliche Ziel auch unter variierenden Bedingungen zu erreichen. Daraus folgt die Notwendigkeit, die Variabilität der Zielerreichung zu thematisieren, diese zu verstehen und zu trainieren, wie durch die situationsspezifische Kombination verschiedener Elemente eine Art Kompensation von denkbaren "Defiziten" in einem Element erreicht werden kann.
Doch auch unter kontrollierten, unveränderten Bedingungen zeigt sich, dass bei der wiederholten Ausführung von (Ziel-)Bewegungen eine gewisse Variabilität im raumzeitlichen Verlauf nicht vermeidbar ist, was auch nicht ausschließlich auf Zufälle zurückzuführen ist. Vielmehr werden regelmäßig systematische Variationen (Kovariationen) zwischen einzelnen Bewegungsparametern festgestellt. Im Oben erwähnten kompensatorischen Sinn zeigte sich beispielsweise bei Zielwürfen, dass ein zu klein geratener Abwurfwinkel durch eine entsprechend angepasste Abwurfgeschwindigkeit ausgeglichen wird. Eine durch die Variabilität der Bewegungsausführung denkbare geringere Zielerreichung kann dadurch zumindest partiell vermieden werden. Mit Blick auf die bei Zielwürfen kurzen Bewegungszeiten und damit fehlenden propriozeptiven Rückmeldungen stellt sich die Frage, wie die für gute Trefferleistungen bedeutsamen Kombinationen verschiedener Faktoren zu Stande kommen.
In der vorliegenden Arbeit wird anhand eines einfachen Wurfmodells gezeigt, wie unterschiedliche Kombinationen und Kovarianten einer "optimalen" Bewegungstechnik entstehen. Durch längeres Training variabler Ausführungsvarianten stehen diese dann dem Werfer grundsätzlich zur Verfügung und werden auch situationsadäquat mit Erfolg eingesetzt.
In einer empirischen Forschungsreihe mit insgesamt vier Studien wird gezeigt, dass Werfer tatsächlich die aufgrund der jeweiligen Modellierung bestimmten günstigen Bewegungsbahnen ansteuern. Der gewählte Ansatz zur Beschreibung (und Quantifizierung) von Äquifinalität berücksichtigt dabei sowohl die Ausführungsseite als auch die Aufgabencharakteristik. Sowohl für eine virtuelle Dartwurf-Aufgabe wie auch den Boule-Zielschuss (Pétanque) kann gezeigt werden, dass die bessere Ansteuerung äquifinaler Abschnitte zu stärkeren Kovariationen und damit zu besseren Trefferleistungen führt.
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Berlin
dissertation.de
2004
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| Ausgabe: | Berlin: dissertation.de, 2004. - 140 S. |
| Seiten: | 140 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |