Subjektive Wahrnehmung der Ästhetik komplexer Bewegungen am Beispiel von Drehungen und Posen

(Subjective perception of the aesthetics of complex movements using the example of rotations and poses)

Tänzerische Bewegungen gelten als eine allgemein gültige sowie verbreitete Form des menschlichen Ausdrucks und werden in verschiedenen Formen und Funktionen ausgeführt. Diese Art der Bewegung gibt nicht nur Einblicke in kognitive, emotionale und ästhetische Funktionen und Verhaltensweisen, sondern stellt auch einen Nutzen für aktuelle wissenschaftliche Ansätze zur Wahrnehmung und Beurteilung der Ästhetik dar (Bläsing et al., 2012). Was Menschen als ästhetisch empfinden, beschäftigte schon Fechner und Wundt in den 1870er Jahren, wobei bis heute ein zentraler Fokus auf der visuellen Wahrnehmung von Ästhetik und ihrer empirischen Darstellung liegt (Kebeck & Schroll, 2011; Leder et al., 2004). Ästhetische Erfahrung auf Seiten der Beobachtenden, beispielsweise bei der Betrachtung komplexer tänzerischen Bewegungen, ist eine Interaktion zwischen Sensomotorik, Emotionsbewertung und Wis­sensbedeutung (Chatterjee & Vartanian, 2014). Sie dient somit als Grundlage für Wahrnehmungs- und Bewertungsprozesse und scheint sowohl abhängig von begriff­lichen Grundlagen als auch speziellen beobachteten Ergänzungen, welche den unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten der einzelnen Künste gerecht werden müssen (Kebeck & Schroll, 2011 ). Inwiefern solche Wahrnehmungs- und Bewertungsprozesse jedoch bei der Betrachtung unterschiedlicher Bewegungsformen ausgedrückt werden können, soll in dieser Studie mittels unterschiedlicher Bewegungsformen und unterschiedlicher Bewertungsparameter überprüft werden. Bei der Beobachtung von professionellen Tänzerinnen liegt das Hauptaugenmerk neben der technisch sauberen Ausführung und der körperlichen Expression auf einer ästhetischen Ausübung der Bewegungen. Jedes Individuum besitzt unterschiedliche Auffassungen von Ästhetik und bewertet diese dahingehend. Jedoch lassen sich bestimmte Kriterien, wie zum Beispiel Bewegungsweite und Bewegungsumfang erkennen, die sich positiv auf die subjektive Bewertung der Ästhetik auswirken (Hassenzahl, 2008). Sind beispielsweise die Extremitäten weit von der Körpermitte entfernt, könnte sich dies positiv auf die Wahrnehmung der Ästhetik auswirken. Je besser das Verständnis des Beobachtenden für das Gezeigte ist, beispielsweise durch die Aneignung von Fachwissen oder aber motorischer Eigenerfahrung, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es Wohlbefinden und Interesse erzeugt (Leder et al., 2004). Weiterhin steigt die Wahrnehmungsaktivität, wenn Vorerfahrung und Geschlechtshomogenität vorhanden sind (Calvo-Merino et al., 2006). In dieser Studie wird daher die subjektive Wahrnehmung der Ästhetik von komplexen Bewegungen durch ausschließlich erfahrene Tänzerinnen überprüft. Zudem wird untersucht, inwieweit sich unterschiedliche Bewertungsparameter bei der Wahrnehmung von Ästhetik unterscheiden.
© Copyright 2019 Turnen trainieren und vermitteln. 10. Jahrestagung der dvs-Kommission Gerätturnen vom 3. - 5. September 2018 in Göttingen. Published by Feldhaus, Ed. Czwalina. All rights reserved.

Bibliographic Details
Subjects:
Notations:training science theory and social foundations technical sports
Published in:Turnen trainieren und vermitteln. 10. Jahrestagung der dvs-Kommission Gerätturnen vom 3. - 5. September 2018 in Göttingen
Language:German
Published: Hamburg Feldhaus, Ed. Czwalina 2019
Series:Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, 287
Online Access:https://www.feldhaus-verlag.de/sportwissenschaft/sportarten/weitere/1452/turnen-trainieren-und-vermitteln
Pages:80-85
Document types:article
Level:advanced