Bewegungssynchronität als Zielstellung der Individualgenese leistungsrelevanter Techniken im Spitzensport der Rhythmischen Sportgymnastik
Die Rhythmische Sportgymnastik ist als olympische Sportart weltweit vertreten. Wettkampfkompositionen im Gruppenklassement der Rhythmischen Gymnastik gehören zu den attraktivsten sportlichen Leistungen in den technisch-kompositorischen Sportarten. Das Leistungsniveau wird maßgeblich von den Gymnastinnen aus Osteuropa bestimmt, während die deutsche Nationalmannschaft seit dem Jahr 2000 den Anschluß an die Weltspitze verloren hat. Aufgrund des hohen Bewegungstempos und der Vielzahl sportlicher Aktionen mit und ohne Handgerät ist die Bewertung der Leistung eine komplexe und schwierige Aufgabe. Ein wesentliches Leistungskriterium stellt neben anderen Parametern die synchrone Darbietung der Choreografie, insbesondere die Ausführung von Schwierigkeitselementen dar. Die weltbesten Teams, wie Russland und Italien, erreichen bei der Übungsdarbietung eine Synchronität von 90-98 Prozent. Die Autorin geht davon aus, dass durch die wissenschaftliche Begleitung der Teams Leistungsreserven aufgedeckt werden und der Anschluß an die Weltspitze wiedererlangt werden kann. Zu den Schwierigkeitselementen gehören Mehrfachdrehungen mit Geräthandhabungen. Für die Ausführung dieser Drehtechniken sind der Drehansatz, die Bewegungsamplitude und die Drehgeschwindigkeit von großer Bedeutung. Nur wenn eine hohe Übereinstimmung dieser Kriterien erreicht wird, ist eine synchrone Leistungsdarbietung möglich. Diese ist für die Konkurrenzfähigkeit im internationalen Rahmen von hoher Relevanz und kann über die Beschleunigung des Lerntempos und über die Verbesserung der Ausführungsqualität erreicht werden. Deshalb steht die Frage im Mittelpunkt ob mit Hilfe moderner Diagnostikverfahren die Genese des Leistungsfaktors "Technik" und die Umsetzung der individuellen Leistungen in eine synchron dargebotene Gruppenkomposition bei Gymnastinnen des Hochleistungsbereichs steigernd unterstützt werden kann? In Bezug auf das Untersuchungsdesign und die Erhebungsverfahren kommen zwei Untersuchungsverfahren der Firma SIMI GmbH zum Einsatz:
1. Verfahren zur Bestimmung der Körpergeometrie, Schnellkaft und der Standsicherheit "SIMI Motion": Dieses Verfahren arbeitet auf der Basis der berührungslosen Bildanalyse mit automatischem Tracking. Es werden mit Hilfe von vier Videokameras dreidimensionale Videoaufnahmen von den Bewegungen der Gymnastinnen angefertigt und unter Einbindung eines entsprechenden Körpermodells mit Hilfe der Software unter Raum- und Zeitbezug ausgewertet. Ableitbar sind Kennziffern und Kennlinien der Körpergeometrie und der Standsicherheit, die das Verhalten des KSP mit berücksichtigen.
2. Verfahren zur Bestimmung der Gruppensynchronität, Raumnutzung und Interaktion "SIMI-Scout": Mit Hilfe der Software "SIMI-Scout" können auf der Grundlage von Videoaufnahmen, die im Training beziehungsweise während des Wettkampfs angefertigt werden, wichtige Leistungsindikatoren erfasst und aufbereitet werden. Die Software ermöglicht die Darstellung der Raumwege jeder Gymnastin unter Berücksichtigung der Zeit, die proportionale Aufteilung des genutzten Raumes während der Übung sowie die Bestimmung der Synchronität während der Darbietung der Komposition. Außerdem können alle Übungsbestandteile exakt analysiert und die Wegdimensionen in Bezug auf die Handgeräte berechnet werden. Ableitungen hinsichtlich der Handhabung der Geräte sind sowohl aus individueller als auch aus gruppenspezifischer Sicht möglich und Interaktionen zwischen den Gymnastinnen erschließbar. Für die visuelle Vermittlung von Bewegungssynchronität ist es erforderlich, sowohl die Körperbewegungen als auch die des Handgeräts exakt übereinstimmend zu steuern. Insbesondere bei Mehrfachdrehungen ist dieses eine sehr komplexe und schwierige Aufgabe. Die vorgestellte Arbeit zeigt, dass die Leistung der Sportlerinnen und Mannschaften mit modernen Diagnostikverfahren verbessert werden kann. Von Leistungs- und Wettkampfanalysen können mit den vorgestellten Verfahren wichtige Informationen abgeleitet werden, die zur Verbesserung der Leistung dienen können. Die Arbeit wurde an der Universität Magdeburg als Dissertation angenommen. Sie enthält 92 Abbildungen und 38 Tabellen sowie einen Anhang mit weiteren 20 Tabellen mit detaillierten statistischen Angaben zu den durchgeführten Tests.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | technische Sportarten Trainingswissenschaft |
| Tagging: | SIMI Motion |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Berlin
Lehmanns Media
2013
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| Seiten: | 209 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |