Ausgewählte Ergebnisse der Weltstands- und Olympiazyklusanalyse 1998 im Eisschnellauf mit Folgerungen für die Trainingsstrategie

In der Wettkampfsaison 1997/98 erfuhr der Eisschnellaufsport einen Progreß, der einmalig in der Geschichte dieser Sportart ist und kaum in einer anderen Wintersportart im vergangenen Jahr zu verzeichnen war. So wurde die Wettkampfleistung auf allen elf Einzelstrecken (zehn davon olympisch) und in vier Mehrkampfresultaten (jeweils Sprint und Allround Damen und Herren) spektakulär verbessert, was sich z.B. in neuen Weltrekorden und Olympischen Rekorden in allen Disziplinen ausdrückt. Die deutschen Sportlerinnen und Sportler konnten diese Entwicklung mitvollziehen. Leistungsgrenzen sind nicht zu erkennen. Hauptgrund für diese Entwicklung ist die Einführung eines neuen Wettkampfgerätes (Klappschlittschuh) im Spitzenbereich in der Saison 1996/97. Es ist aber davon auszugehen, daß sich sowohl die Leistungsfähigkeit der Athletinnen und Athleten als auch die Wettkampf-bedingungen ebenso verbessert haben. Ausblick In der Sportart Eisschnellauf ist in den vergangenen Jahren ein starker Leistungsprogreß festzustellen. Die deutsche Mannschaft vollzog die Entwicklung mit und bestimmte sie in verschiedenen Disziplinen (Damen). Da in absehbarer Zeit das Erreichen von Leistungs-grenzen unwahrscheinlich ist, muß man sich, will man die Ergebnisse vergangener Jahre wiederholen, auf weitere Entwicklungen einstelllen. Daraus ergeben sich Folgerungen, von denen einige wesentliche hier genannt sein sollen: Nachdem im zurückliegenden Olympiajahr verstärkt an der Umsetzung der neuen Lauftechnik/Weiterentwicklung des Wettkampfgerätes gearbeitet wurde, gilt es, in der Zukunft das Training noch stärker an der veränderten Leistungsstruktur (Laktatverhalten / Muskelgruppen / Lauftechnik) zu orientieren und dessen Reizwirksamkeit weiter zu erhöhen. Hierzu muß es gelingen, die Vorteile des Klappschlittschuhs (vgl. 3.1) durch eine gezielte Verbesserung technischer Fertigkeiten noch stärker auszunutzen und semispezifisches sowie spezifisches Training noch mehr auf die veränderte Arbeitsweise der Beinstrecker (Streckerschlinge) auszurichten - z.B. durch Sommereistraining, den Einsatz eines Klapproll-schuhs und ein spezielles Techniktraining im Winter. Es gilt, die Belastungsbereiche auf dem Eis an das veränderte Stoffwechselverhalten (Laktat) und an neue prognoseorientierte Geschwindigkeiten anzupassen. Stellt man die Leistungsentwicklung in den vergangenen Jahren in Rechnung, so wird es beispielsweise in Zukunft notwendig sein, im GA II/SA/WA - Training der Mittel- und LangstrecklerInnen die durchschnittlichen Vortriebe (Schrittlängen), die Abschnittslängen oder auch die durchschnittlichen Geschwindigkeiten zu erhöhen. Im Bereich Kurzstrecke wird unter anderem entscheidend sein, die Beschleunigungsfähigkeit/die Schnelligkeit/das Startverhalten häufiger zu trainieren bzw. häufiger höhere Spitzen-geschwindigkeiten zu realisieren (z.B. Nutzung von sehr schnellem Eis wie in Calgary / Veränderung der allgemeinen Wettkampfbedingungen!). Um steigende spezifische Belastungen in der Wintersaison besser zu kompensieren ist es notwendig, das Niveau der allgemeinen Grundlagenausdauerfähigkeit zu erhalten - mittels Rad- und Ergometertraining über die gesamte Wettkampfperiode. Die Sicherung eines hohen Niveaus der Grundlagen- aber auch der Kraftausdauerfähigkeit durch ihr nahezu ganzjähriges Training (Höhenkette; alle Haupttrainingsmittel Rad / Roll / Eis) bleibt die Basis für eine hohe Leistungsfähigkeit. In welchem Maße es gelingt, personelle Leistungsreserven urbar zu machen, z.B. bezüglich leistungsrelevanter Kraftfähigkeiten (siehe Bsp. Pkt. 3.2), ist leistungsentscheidend. Um die disziplinspezifischen Aufgaben noch effektiver lösen und positive Reibungsflächen innerhalb der eigenen Mannschaft besser nutzen zu können, sollte eine Konzentration der Kräfte angestrebt werden - z.B. häufigere Zusammenfassung von Disziplingruppen in Lehrgängen. In den kommenden Jahren besteht sowohl die Aufgabe, trainingsältere AthletInnen zu Spitzenleistungen zu führen (gestiegenes Hochleistungsalter) als auch die Nationalmannschaft durch ein systematisches Heranführen von Anschlußkadern zu verjüngen (relativ hohes Durchschnittsalter). Die Entwicklung der Wettkampfsysteme - steigende Wettkampfhäufigkeit, Zunahme von Hallenwettkämpfen, Streckenspezialisierung - muß sich in der Trainingsplanung widerspiegeln. Dabei sollte die Phase der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung unter den Gesichtspunkten der Trainings- und Wettkampf-bedingungen sowie der Stabilisierung des Gesundheitszustandes neu durchdacht werden. - Autorreferat und Ausblick -
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Ausdauersportarten
Veröffentlicht in:Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Aachen 1998
Online-Zugang:https://open-archive.sport-iat.de/sponet/178637.pdf
Jahrgang:5
Heft:1
Seiten:137-169
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch