Die Kurve kriegen - trainingswissenschaftliche Diagnostik im Eisschnelllauf

Im Eisschnelllaufen sind 50% des Rennens von Kurvendurchläufen geprägt. Allein dieser Umstand lässt es schon bedeutsam erscheinen, Kurvendurchläufe in der Wettkampfsituation näher zu betrachten, um mögliche Leistungsressourcen für eine weitere Trainings- und Wettkampfoptimierung zu akquirieren. Berichtet werden insgesamt die Ergebnisse von drei Studien. Methode An den Studien nahmen Athletinnen (alle Mehrkämpferinnen) aus dem Spitzen- und dem Nachwuchsbereich der Altersklasse AK 18/19 sowie U23 teil (Deutsche Meisterschaft Jugend vom 29.-30.01.2005 in Erfurt, Summer Classics am 22.-23.07.2005 in Berlin, Deutsche Meisterschaften im Mehrkampf am 06.-07.01.2006 in Erfurt). Die Erfassung der Kurvendurchläufe erfolgte durch Videoaufzeichnungen. Die Kamera (DV Camcorder Panasonic, NV-DX 100; Aufnahmefrequenz 25 Vollbilder pro Sekunde) wurde jeweils kurvenmittig im Scheitelpunkt von Kurveneingang und -ausgang im Innenraum positioniert. Der Abstand der Kamera zur Bahn war somit immer gleich. Der Kurvendurchlauf wurde erfasst, indem die Kamera vom Kurveneingang zum -ausgang geschwenkt wurde. Die Kurve wurde in vier gleich große Sektoren eingeteilt. Die Grenzen der Einteilung bildeten der Kurveneingang (0°), das Ende des ersten Kurvenviertels (45°), die Kurvenmitte (90°), das Ende des dritten Kurvenviertels (135°) und der Kurvenausgang (180°). Mit der beschriebenen Gerätekonstellation konnte eine zweidimensionale Auswertung vorgenommen werden. Ausgewertet wurden Videohalbbilder, also 50 Bilder pro Sekunde (FairPlay-Lite 3.0.14, Firma CCC-Campus-Computer-Center Leipzig). Von Interesse war die benötigte Zeit je Kurvenviertel. Ergebnisse und Diskussion Die Ergebnisse der drei Studien zeigen erwartungsgemäß, dass die Kurvendurch-laufzeiten der Spitzenathletinnen jeweils kürzer sind als die der Nachwuchsathle-tinnen. Die Zeiten steigen progressiv zur Renndistanz. Interessant ist hingegen, dass bei Spitzen- und Nachwuchsathletinnen auf den Sprintstrecken hohe Kurven-durchlaufzeiten mit geringen Restrundenzeiten korrelieren. Auf der 3000-m-Distanz korrespondieren dagegen bei den Spitzenathletinnen geringe Kurvendurchlaufzei-ten mit niedrigen Restrundenzeiten. Dies lässt sich als Indiz werten, dass sowohl bei Spitzen- als auch bei Nachwuchsathletinnen strategische Überlegungen auf den Sprintdistanzen handlungsleitend waren. Insgesamt legen die Befunde nahe, dass Leistungsreserven in der Verbesserung der Kurvendurchläufe liegen, welche nachhaltig für eine weitere Leistungsoptimierung genutzt werden sollten.
© Copyright 2007 SportStadtKultur. 18. Sportwissenschaftlicher Hochschultag der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft. Published by Czwalina. All rights reserved.

Bibliographic Details
Subjects:
Notations:training science endurance sports
Published in:SportStadtKultur. 18. Sportwissenschaftlicher Hochschultag der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft
Language:German
Published: Hamburg Czwalina 2007
Series:Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, 168
Pages:244-245
Document types:book
Level:advanced