Wie viel Maximalkraft ist für explosivkräftige Bewegungen notwendig? Und wie kann diese ermittelt werden?
Problemstellung: Die Bedeutung der Explosivkraft als Leistungsvoraussetzung für azyklische (z.B. Skisprung) und zyklische Bewegungen (z.B. Bob) nimmt in vielen Sportarten zu. Somit wird der höchste Ausprägungsgrad dieser Fähigkeit im Training angestrebt. Die Höhe der Explosivkraft steht u. a. im Zusammenhang mit der Maximalkraft. Bei leistungsdiagnostischen Verfahren steigt das Anspruchsniveau von Trainern und Athleten an die Messgenauigkeit und Vergleichbarkeit von Explosivkrafttests, um individuelle Trainingsfortschritte zu dokumentieren und die Trainingsplanung zu verbessern. Bedeutender ist aber die Suche nach Parametern oder Indikatoren, welche die Ableitungen von individuellen Trainingsprogrammen zur Verbesserung der Maximal- und Explosivkraft ermöglichen.
Das Ziel der Arbeit bestand darin, für Leistungssportler aus Sportarten mit hohem Explosivkraftanteil ein Verfahren nicht nur zur Messung der Maximal- und Explosivkraft der unteren Extremitäten zu etablieren, sondern ein Mittel zur Ableitung individueller Trainingsempfehlungen für das Maximal- und Explosivkrafttraining zur Verfügung zu haben.
Methode: Das neu entwickelte Verfahren "Muskelleistungsdiagnostik" (MLD-Test) besteht aus einem Test der isometrischen Maximalkraft (beidbeinig, einbeinig links und rechts)
und verschiedenen Vertikalsprüngen ohne Armeinsatz (je ein Countermovementjump und ein Squatjump ohne Zusatzlast und danach mit 20, 40, 60, 80 und 100 % des Körpergewichts als Zusatzlast).
Ergebisse: Um den MLD-Test zu einem wissenschaftlich begründeten Untersuchungsverfahren zu legitimieren, wurden alle Gütekriterien Validität, Fteliabilität und Objektivität geprüft (Hübner, 2009). Aus dem Maximalkrafttest laset sich neben der Niveauermittlung, der Bestimmung der Seitendifferenz, der Ableitung von eher ein- oder beidbeinigen Trainingsformen (bilaterales Defizit) auch das 1RM errechnen (Duss & Hobi, 2009). Aus dem Verlauf der relativen mechanischen Leistung bei den Sprüngen mit steigender Zusatzlast ist u.a. die (kurzfristige) Trainingsempfehlung (eher Maximalkrafttraining oder eher Umsetzung der Maximalkraft) ableitbar. Die langfristige Sicht ergibt sich aus dem Verhältnis der Maximalkraft (in N oder N/kg) zur Explosivkraft (W/kg oder W).
Schlussfolgerung: Für die Kraftleistungsdiagnostik bildet dieses Verfahren eine fundierte Basis zur Einschätzung des aktuellen Niveaus der Maximal- und Explosivkraft und zur Ableitung von individuellen Trainingsempfehlungen (z.B. hinsichtlich der Schwerpunktsetzung im Krafttraining in Richtung Maximalkrafttraining oder Umsetzung der Maximalkraft).
© Copyright 2016 Technologien im Leistungssport 1: Tagungsband zur 17. Frühjahrsschule am 15./16. April 2015 in Leipzig. Veröffentlicht von Meyer & Meyer. Alle Rechte vorbehalten.
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| Notationen: | Trainingswissenschaft Naturwissenschaften und Technik |
| Veröffentlicht in: | Technologien im Leistungssport 1: Tagungsband zur 17. Frühjahrsschule am 15./16. April 2015 in Leipzig |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Aachen
Meyer & Meyer
2016
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| Schriftenreihe: | Schriftenreihe für Angewandte Trainingswissenschaft, 4 |
| Online-Zugang: | https://open-archive.sport-iat.de/sponet/SR_2016_4_huebner_maximalkraft.pdf |
| Seiten: | 128-139 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |